Ärzte Zeitung online, 09.01.2012

Pflegeverband für Pflegeabi

BERLIN (dpa). Die Pläne der EU-Kommission, für Pflegepersonal eine zwölfjährige Schulzeit vorzuschreiben, stoßen beim zuständigen Berufsverband auf Zustimmung.

Pflegeverband für Pflegeabi

Mit einer längeren Schulzeit könnte die mehr als 100 Jahre Benachteiligung des Frauenberufs Pflege beendet werden.

© dpa

"Je besser qualifiziert die Pflegefachpersonen sind, umso weniger Komplikationen bis zum Tod treten bei Patienten auf", schrieb die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Berufsverbandes der Pflegeberufe (DBfK), Gertrud Stöcker, in einem Beitrag für die Montagsausgabe der "Rhein-Zeitung" . Dies belegten internationale Studien.

Dagegen hatte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) den Plänen der EU-Kommission, für Krankenschwestern oder Hebammen eine Schulzeit von zwölf statt bislang zehn Jahren vorzuschreiben, eine Absage erteilt.

Er sprach von einem falschen Signal. Auch Haupt- und Realschüler müssten die Möglichkeit haben, einen Pflegeberuf zu ergreifen. Dahinter steckt auch die Befürchtung, dass der drohende Fachkräftemangel in Pflegeberufen noch weiter verschärft wird.

Benachteiligung beenden

Verbands-Vize Stöcker teilt diese Befürchtung nicht. Sie schrieb in ihrem Beitrag für die "Rhein-Zeitung", mit einer längeren Schulzeit werde eine mehr als 100 Jahre alte systemische Benachteiligung des Frauenberufs Pflege beendet.

"In allen Ländern, die ihre Anforderungen an die Ausbildung angehoben haben, hat dies zu einer Steigerung der Attraktivität des Berufes geführt. Dies widerlegt das Argument, durch steigende Anforderungen an die Ausbildung werde der Nachwuchs ausbleiben."

Nach EU-Angaben ist schon heute in 24 Mitgliedsstaaten für Pflegeberufe eine zwölfjährige Schulzeit vorgeschrieben. Zwölf Schuljahre führen in Deutschland in der Regel zum Abitur.

[10.01.2012, 18:20:41]
Christof Oswald 
Pflegeabi ohne Deutschland, da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich.
Entgegen des "bewährten" Trends in Deutschland jedes Problem in der Pflege immer schnell, billig und erfolglos mit der Absenkung von Qualitätsbedingungen lösen zu wollen, macht die EU nun Nägel mit Köpfen. Ganz egal ob es Singhammer, Bahr und den Kollegen der politischen Pflegeratlosen gefällt, die Verordnung wird der Mehrheit der EU-Länder folgen.
Aus Sicht der Pflege, und die kann es als einziger Berufsstand wirklich beurteilen, ist dies auch bitter nötig. Bislang bestimmen alle anderen, seien es Verwaltungsdirektoren, Finanzpolitiker, Kassenvertreter oder natürlich(?) auch Ärzte darüber, was wie und vor allem womit Pflege in Deutschland geleistet wird. Obwohl wir mittlerweile auch in Deutschland über eine ernstzunehmende Pflegewissenschaft, -pädagogik und Pflegemanagement als akademische Zweige verfügen, haben diese in der Gesundheitspolitik keine nennenswerte Bedeutung.

Kein Wunder, dass da die Botschaft die Qualität der Pflegefachkräfte könnte wachsen, Angst macht. Angst vor allem jenen, die alles so lassen wollen wie es ist. Dieses wäre jedoch in Anbetracht der demographisch drängenden Pflegeproblematik in Deutschland eine gesamtgesellschaftliche Katastrophe. Übrigens, die Absenkung des Pflegeausbildungszugangs auf Hauptschulniveau hat keinen Zuwachs an Auszubildenden gebracht. Wohl aber einen empfindlichen Imageverlust eines Berufsstandes, der künftig mehr gebraucht werden wird, denn je.

Christof Oswald, Dipl. Pflegewirt(FH)
christof.oswald@klinikum-nuernberg.de zum Beitrag »

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