Ärzte Zeitung online, 17.02.2012

Pflegeverband kritisiert Sparwut

Die Bevölkerung altert, der Bedarf an Pflegekräften steigt. Der Fachverband bpa beklagt einen enormen Kostendruck zulasten der dringend gesuchten Pflegekräfte.

Pflegeverband kritisiert Sparwut

Der Präsident des bpa fordert angemessene Tariflöhne als Verhandlungsgrundlage für Pflegekräfte.

© Müller-Stauffenberg / imago

BERLIN (dpa). Der Pflegeverband bpa hat Kommunen und Sozialhilfeträgern eine "Sparwut" auf Kosten der Pflegekräfte vorgeworfen.

"Immer öfter verweigern sie ihre Zustimmung zu Pflegesätzen, die sich an einer Tarifbezahlung der Mitarbeiter orientieren", kritisierte der Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Bernd Meurer, am Freitag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

"Leidtragende sind die rund 900.000 Pflegekräfte sowie kleinere private Träger, die Verlust machen und die Pflege aufgeben. Das können wir uns in der angespannten Situation nicht leisten."

Die angelernten Pflegekräfte bekommen nach Angaben Meurers im Westen einen Einstiegslohn von mindestens 8,75 Euro pro Stunde und im Osten von 7,75 Euro, verdienen dann aber im Laufe des Berufslebens deutlich mehr.

Fachkräftemangel wird verschärft

"Beim derzeitigen Wettbewerb zahlen viele Träger für die ausgebildeten Fachkräfte sogar über Tarif, um die Leute zu halten. Beides wird von den Kostenträgern bei den Vergütungsverhandlungen oft nicht anerkannt. Und dann wird beim Lohn eben gespart", sagte Meurer.

Bereits heutzutage fehlten 30.000 Pflegekräfte, das Verhalten der Kosten-Träger verschärfe die Situation.

Der Verband fordert von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) eine gesetzliche Regelung der Rahmenbedingungen für Vergütungsverhandlungen.

"Darin muss festgeschrieben werden, dass angemessene Tariflöhne in den Kalkulationen als Verhandlungsgrundlage anerkannt werden."

Meurer betonte, dass auch Kommunen und andere Träger ihre Mitarbeiter nach Tarif entlohnen.

Unter dem Dach des Bundesverbands bpa sind rund 7000 Unternehmen der stationären und häuslichen Pflege mit etwa 200.000 Arbeitsplätzen vertreten - und damit bundesweit mehr als jede vierte Pflegeeinrichtung.

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