Ärzte Zeitung, 05.09.2012

Pflegestützpunkte

Gegensätzliche Beurteilungen in Niedersachsen

In Niedersachsen gehen die Ansichten über Pflegestützpunkte in ländlichen Regionen auseinander. Kommunalvertreter halten das Modell für ungeeignet.

Von Christian Beneker

Gegensätzliche Meinungen zu Pflegestützpunkten

In einem Pflegestützpunkt sollen Fachleute Pflegebedürftige und deren Angehörige umfassend und unabhängig beraten. Über die Qualität der Beratung gibt es unterschiedliche Auffassungen.

© Arne Dedert / dpa/ lbn

HANNOVER. In Niedersachsen gehen die Meinungen zu Pflegestützpunkten auseinander: Krankenkassen und das niedersächsische Gesundheitsministerium sprechen von einer "positiven Bilanz" der Pflegestützpunkte, der Verband für Pflegeberufe von einem unzureichenden Angebot.

36 Städte und Landkreise im Nordwesten verfügen über einen Pflegestützpunkt, so die jüngsten Zahlen des Gesundheitsministeriums in Hannover. 13 Städte und Kreise wollen derzeit keinen Stützpunkt eröffnen oder sind noch in Verhandlungen mit den Kassen.

Das niedersächsische Modell sieht vor, dass Pflegekassen und Kommunen eigenverantwortlich in jedem Landkreis und kreisfreier Stadt mindestens einen Pflegestützpunkt einrichten, so das Gesundheitsministerium.

"Die Qualifikation der eingesetzten Mitarbeiter orientiert sich dabei an den Kriterien von Pflegeberaterinnen und Pflegeberatern", heißt es.

In den Stützpunkten sollen Fachleute Pflegebedürftige und Angehörige "umfassend und unabhängig" zu möglichen Sozialleistungen beraten: Kontakte zu den Kassen herstellen, die "Angebotslandkarte" in der Region erläutern oder die verschiedenen Dienste und Angebote für die Pflegegebedürftigen koordinieren.

Kassen: Jährlich landesweit zwei Millionen Euro

Aber viele Kreise im Land streben keinen Stützpunkt an, zum Beispiel die Kreise Osterholz und Ammerland. So erklärt Heike Schumacher, Kreisrätin des Kreises Osterholz: "Der Mustervertrag der Kassen bringt uns zu wenig Geld und wir hätten selber eine Menge Geld besteuern müssen."

Nach Angaben Schumachers zahlt die Kasse rund 30.000 Euro im Jahr. Die Kassen in Niedersachsen sprechen von "jährlich landesweit rund zwei Millionen Euro" für die Stützpunkte, dazu komme ein "angemessener Beitrag der Kommunen".

Schumacher betrachtet die Einrichtung der Stützpunkte indessen "vor allem als Aufgaben der Kassen".

Anderes kritisiert Ingo Rabe, Sozialdezernent des Landkreises Ammerland. Er sagt: "Das Stützpunkt-Modell funktioniert in Städten, aber nicht bei uns auf dem Land. Man schreibt uns zum Beispiel Öffnungszeiten vor, aber zu uns kommt sowieso niemand. Wir müssen uns schon selber auf den Weg machen zu den Leuten auf dem Land."

Der Kreis Ammerland gibt nun für seine 100.000 Einwohner selber rund 35.000 Euro im Jahr aus für eine halbe Stelle im "Pflegeservice-Büro Ammerland", erklärt Rabe.

Auch Pflegeexperten kritisieren Art und Umfang der Pflegestützpunkte. "Die Beratung und die Pflegestützpunkte sind nicht ausreichend", kritisiert Patricia Drube vom deutschen Verband für Pflegeberufe/Nordwest.

"Nicht alle Bürger haben einen erreichbaren Zugang zur Beratung." Außerdem bezweifelt Drube die Qualität der Beratung.

"Viele Mitglieder wünschen sich mehr Kpmpetenz"

Eigentlich sollten in den Stützpunkten Experten mit Know-how in Medizin und Sozialrecht im Sinne eines Case-Managements zusammenarbeiten. "Wenn man genau hinsieht, dann sitzt in manchem Pflegestützpunkt nur ein Sachbearbeiter zu festen Bürozeiten."

So sei eine effektive Fallsteuerung kaum möglich. Drube: "Viele unserer Mitglieder wünschen sich mehr Kompetenz."

Der Druck auf die Beratungsanbieter dürfte steigen. Denn das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) sieht unter anderem vor: Pflegekassen müssen den Antragstellern auf Pflegeleistungen einen Beratungstermin innerhalb von zwei Wochen anbieten.

Kann die Kasse diese Frist nicht garantieren, kann sie Beratungsgutscheine für andere Beratungsstellen ausgeben, unter anderem der Pflegestützpunkte.

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