Ärzte Zeitung, 10.10.2012

Modellprojekt

Ambulante Reha für psychisch Kranke - auf Türkisch

In Köln werden türkischsprachige Patienten, die an psychischen Erkrankungen leiden, in ihrer Muttersprache therapiert. Und zwar in einem ambulanten Reha-Zentrum.

KÖLN (tau). Das Kölner Rehabilitationszentrum Medicoreha bietet künftig eine ambulante Reha-Therapie für Menschen an, die an psychischen und psychosomatische Erkrankungen leiden.

Eine Besonderheit des Modellprojekts: Türkischsprachige Patienten werden in der Muttersprache therapiert. Psychische und psychosomatische Erkrankungen verursachen in Deutschland immer mehr Fehltage.

"In den letzten zehn Jahren ist der Krankenstand durch Erkrankungen wie Depression um ein Drittel gestiegen", berichtet Dr. Peter Bommersbach, ärztlicher Leiter Psychosomatik von Medicoreha. Die vorhandenen Angebote sind nach seinen Angaben sowohl in der Psychotherapie als auch in der psychosomatischen Reha nicht ausreichend.

Weil bei vielen türkischstämmigen Patienten die mangelhafte Verständigung eine gute Versorgung zusätzlich erschwert, bietet Medicoreha auch türkischsprachige Ansprechpartner.

Köln hat hohen Anteil türkischsprachiger Bürger

"Köln ist der richtige Standort für ein solches Angebot, weil der Anteil türkischsprachiger Mitbürger hier im landesweiten Vergleich besonders hoch ist", sagt Holger Baumann, Mitglied der Geschäftsführung der deutschen Rentenversicherung Rheinland.

Nach Angaben von Baumann gibt es bundesweit kein zweites mehrsprachiges ambulantes Therapieangebot. Die Rentenversicherung Rheinland unterstützt das Projekt.

Schwerpunkt der Reha: Bewegung

Im Mittelpunkt der Reha-Therapie steht bei Medicoreha das Thema Bewegung, sagt Philipp Hemmrich, Geschäftsführer von Medicoreha. Unter der Anleitung von Physiotherapeuten und Sportwissenschaftler können Patienten auf dem Laufband trainieren oder im hauseigenen Schwimmbad.

Zum mehrsprachigen Team gehören außerdem Psychologen, Ergotherapeuten, Sozialberater und Krankenpfleger. In der selbstständigen Einrichtung stehen 30 Therapieplätze zur Verfügung.

Mit dem Angebot reagieren die Beteiligten auf die wachsende Nachfrage nach ambulanter Versorgung. "Wir erwarten, dass der Bedarf nach ambulanter Reha im psychosomatischen und psychischen Bereich bis 2015 um zehn Prozent steigen wird", sagt Baumann.

Nordrhein-Westfalen sei in diesem Bereich bereits Vorreiter. "25 Prozent der Reha-Angebote der Rentenversicherung Rheinland sind ambulant", sagt er.

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