Sonntag, 29. März 2015
Ärzte Zeitung, 24.01.2013

Pflegekongress

"Deutschland hinkt Nachbarn hinterher"

Pflegeexperten kritisieren verkrustete Strukturen in Deutschland. Der Blick ins Ausland lohnt.

pflegekongress2013-L.jpg

BERLIN. Deutschland hinkt in Sachen Pflege seinen Nachbarn hinterher. "Deutschland verharrt in einem Gesundheitssystem der 80er Jahre", sagt der Pflegewissenschaftler Professor Jürgen Osterbrink anlässlich des Kongresses Pflege 2013, der am Freitag in Berlin beginnt.

"Es ist völlig unverständlich, warum Deutschland die EU-Richtlinie nicht unterzeichnet, mit der die Zugangsvoraussetzungen für die Pflegeberufe angehoben werden", so Osterbrink, der das Institut für Pflegewissenschaft und -praxis der Salzburger Paracelsus Medizinischen Privatuniversität leitet.

Nachdem auch Österreich 2012 der Richtlinie zugestimmt hat, schreiben alle EU-Länder bis auf Deutschland und Luxemburg zwölf Schuljahre für die Pflegeausbildung vor.

"Damit steht Deutschland in Sachen Pflege nicht nur europaweit, sondern weltweit als Schlusslicht da", so Osterbrink. Am Donnerstag hatte der Binnemarktausschuss der Europäischen Union allerdings entschieden, dass die duale Ausbildung in Deutschland als dem Abitur gleichwertig anzusehen ist.

In Deutschland gibt es eine solche Berufsordnung nur in vier einzelnen Bundesländern. Im Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) ist die Personalausstattung für die Pflege festgelegt, in Deutschland dagegen existiert kein bundesweit einheitliches Instrument zur Personalbemessung - ein Grund für die Unterbesetzung in Kliniken und Heimen.

Um notwendige Reformen in der Pflege voranzutreiben, treffen sich beim Springer-Fachkongress über 1000 Entscheider aus der Pflege. (eb)

Andrea Tauchert, Tel. 030/82787-5510, andrea.tauchert@springer.com, www.heilberufe-kongresse.de

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Nach Absturz: Was tun gegen Flugangst?

Nach Flugzeug-Abstürzen suchen erfahrungsgemäß viele Menschen Hilfe gegen Flugangst. Wir zeigen, welche Möglichkeiten es gibt. mehr »

Germanwings-Absturz: Was ging in Andreas L. vor?

Der Co-Pilot soll die Germanwings-Maschine mit 150 Menschen an Bord bewusst zum Absturz gebracht haben. Über seine möglichen Motive hat die "Ärzte Zeitung" mit Suizid-Experten gesprochen. mehr »

Nach Flugzeugabsturz: Bürokratische Hürden für trauernde Angehörige

Nach dem Absturz des Germanwings-Flugzeugs kommen auf die trauernden Angehörigen auch große organisatorische Probleme zu: Ihre Verwandten gelten bis zur eindeutigen Identifizierung zunächst als vermisst. Bei der Koordinierungsstelle NOAH gibt es Unterstützung. mehr »