Freitag, 29. August 2014
Ärzte Zeitung, 28.01.2013

Substitution

Stillstand vor den Probeläufen

Die Modellvorhaben zur Substitution ärztlicher Tätigkeiten auf Pflegekräfte kommen nicht aus den Startlöchern. Die Zugangsvoraussetzungen seien zu hoch, beklagen Fachleute.

Von Anno Fricke

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Wundversorgung ist eine der Aufgaben, an denen die Substitution ärztlicher Leistungen erprobt werden soll.

© Klaro

BERLIN. Vertreter der Selbstverwaltung und der Krankenkassen haben die Bundesregierung aufgefordert, die Voraussetzungen für die Delegation und Substitution ärztlicher Leistungen neu zu regeln.

Der Gesetzgeber habe eine hohe Umsetzungsbarriere geschaffen, indem er die Zugangsvoraussetzungen von Pflegekräften zu den Modellvorhaben nach Paragraf 63c SGB V in der Ausbildung und nicht auch in der Weiterbildung verortet habe, sagte Dr. Regina Klakow-Franck, unparteiisches Mitglied im Gemeinsamen Bundesausschuss beim Kongress Pflege 2013 von Springer Medizin und dem Pflegemagazin "Heilberufe" am Samstag in Berlin.

Dass Pflegekräfte Ärzten nicht nur zur Hand gehen, sondern selbstständig Wunden versorgen und Katheter legen können, bestreitet im Gesundheitswesen kaum noch jemand.

Da vor allem die Hausärzte in den kommenden Jahren knapp werden, sollen Teile der Primärversorgung und auch die fachliche, wirtschaftliche und rechtliche Verantwortung dafür auf Pflegekräfte übergehen. Diagnose und Indikationsstellung sollen aber in ärztlicher Hand bleiben.

Den rechtlichen Rahmen dafür hat noch die große Koalition geschaffen. Seit März 2012 ist dazu eine Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses in Kraft. Seither stockt die Entwicklung des Projekts.

In strukturschwachen Gebieten, in denen sich der Hausärztemangel heute schon bemerkbar macht, sind die Krankenkassen sehr daran interessiert, schnell Modellvorhaben aufs Gleis zu setzen, um Erfahrungen mit der Substitution ärztlicher Tätigkeiten sammeln zu können.

Der AOK-Bundesverband werde Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) daher in einem Brief auffordern, die Ausbildungsvorgaben für die Modellvorhaben zu ändern.

Nach Auffassung der AOKen reichten als Zugangsvoraussetzung für die Modellvorhaben auch Qualifizierungskurse und die Zertifizierung vorhandenen Erfahrungswissens aus, sagte Dr. Christian Peters vom AOK-Bundesverband.

"Die Sicherheit der Patienten darf nicht Personalengpässen geopfert werden", sagte der Präsident der Ärztekammer Westfalen Lippe, Dr. Theodor Windhorst. Daher solle ärztliche Leistung nicht durch Pflegekräfte ersetzt, sondern nur an sie delegiert werden.

Ärzte sollten eine ungeteilte Verantwortung über Diagnostik und Therapie tragen und die Budgethoheit behalten.

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[29.01.2013, 01:08:48]
Dr. Uwe Wolfgang Popert 
Falsche Hoffnungen
Es ist eine gerade bei Politikern viel verbreitete Hoffnung, die zukünftig fehlenden Land-Hausärzte mit Pflegern zu ersetzen.
Dieses Modell berücksichtigt erst einmal nicht den erheblichen Nachwuchsmangel an Pflegekräften.
Außerdem lassen sich in einer Hausarztpraxis zwar viele Routine-Hausbesuche, Folgerezepte und monothematische Beratungen delegieren, Aber mehr als 20-30% der hausärztlichen Tätigkeit ist das nicht. Tatsächlich lassen sich wohl Gastroskopien, Sigmoidoskopien, Herzkatheter und andere begrenzte technische Untersuchungen leichter und schneller lernen als die Koordination von Multimorbiden.
Entsprechend der Zahlen der Bundesärztekammer ergibt sich daraus:
etwa 1/3 der Nachwuchsärzte müssen jeweils Hausärzte, Kliniksärzte und Spezialisten werden.Jetzt. zum Beitrag »

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