Ärzte Zeitung, 04.06.2013

Studie

Deutsche ignorieren Pflegerisiko

Hamburg.. Die Deutschen wissen um die drohende Versorgungslücke im Falle einer Pflegebedürftigkeit - sichern sich aber nicht entsprechend ab und schieben das Problem vor sich her.

Dies ist das Ergebnis der Studie "Geschäftspotenziale in der Pflegeversicherung" des IMWF Instituts für Management und Wirtschaftsforschung in Hamburg.

Danach befürchtet jeder zweite erwachsene Deutsche, einmal selbst pflegebedürftig zu werden. 82 Prozent der Bundesbürger gehen davon aus, dass sie durch die gesetzliche Pflegeversicherung für diesen Fall nicht ausreichend abgesichert sind.

Dennoch haben bislang nur 16 Prozent der Bundesbürger nach eigenen Angaben eine private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen.

Nur weitere zwölf Prozent der Befragten planen den Abschluss einer Zusatzversicherung innerhalb eines Jahres, obwohl drei Viertel eine zusätzliche private Absicherung in Form einer Pflegezusatzversicherung für wichtig halten. (di)

Topics
Schlagworte
Pflege (4657)
[05.06.2013, 08:03:08]
Dunja Lucht 
Eine interessante Gegendarstellung aus der Pflegefachzeitschrift "curendo"
Pflegebahr: Nützlich oder unsinnig?
Artikel vom 23. Mai 2013
von Stephan Frey

Mit der Einrichtung der staatlich geförderten privaten Pflegezusatzversicherung soll für eine etwaige Pflegebedürftigkeit im Alter vorgesorgt werden. Während die Bundesregierung für ihr Modell der privaten Pflegezusatzversicherung wirbt, kommt von Verbraucherverbänden zunehmende Kritik. Ist der "Pflegebahr" zu empfehlen?
Seit Januar gibt es die staatlich geförderte private Pflegezusatzversicherung
Wer eine als "Pflege-Bahr" bezeichnete private Pflegezusatzversicherung abschließt, erhält jährlich einen staatlichen Zuschuss in Höhe von 60 Euro. Der Vorteil gegenüber einer herkömmlichen privaten Zusatzversicherung ist, dass auch bereits kranke und ältere Menschen für den Pflegefall vorsorgen können.
Herkömmliche private Pflegezusatzversicherung lehnen kranke und ältere Kunden oft ab beziehungsweise lassen eine entsprechende Gesundheitsprüfung durchführen. Bei bestehenden Erkrankungen oder sonstigen Risiken wie Alter oder bereits bestehender Gebrechlichkeit, können Leistungen ausgeschlossen werden.
Den Zuschuss in Höhe von 60 Euro jährlich erhält derjenige, der eine Pflegezusatzversicherung abschließt, in der eine Pflege-Tagegeldversicherung integriert ist.
Zusätzlich muss deren Beitrag bei mindestens 120 Euro im Jahr liegen und der Vertrag muss monatliche Leistungen in Höhe von mindestens 600 Euro in der Pflegestufe III vorsehen. Während die Bundesregierung die private Zusatzvorsorge für den Pflegefall positiv bewertet, sehen Verbraucherexperten den so genannten "Pflege-Bahr" jedoch zunehmend kritisch.
Lohnt sich also der Abschluss einer staatlich geförderten privaten Pflegezusatzversicherung überhaupt? Und wenn ja, ist dies für alle Personengruppen sinnvoll oder lediglich für einen bestimmten Personenkreis? Diese oder andere Fragen wird sich im Rahmen der Presseberichterstattung zahlreicher Medien nahezu jeder bereits gestellt haben.
Die Stiftung Warentest hat mehrere Anbieter von staatlich geförderten privaten Pflegezusatzversicherungen untersucht
Hierbei stellte sich heraus, dass keine der getesteten Versicherungen zur alleinigen Vorsorge für eine Absicherung im Pflegefall ausreicht. Maximal boten die von der Stiftung Warentest untersuchten Versicherungstarife eine Leistung von bis zu 700 Euro im Monat. Gerade bei der Pflegestufe III sind jedoch vielfach Kosten in Höhe von bis zu 1800 Euro monatlich zu finanzieren. Hier entsteht eine deutliche Finanzierungslücke. In der Pflegestufe III zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung 1550 Euro. Allein ein Platz im Pflegeheim kostet jedoch durchschnittlich nahezu das Doppelte.
Auch bei Demenz reicht der Zuschuss der privaten Zusatzversicherung nicht aus, um einen Tagespflegeplatz zu finanzieren. Zudem können im Pflegefall die Versicherten erst nach einer Wartezeit von bis zu fünf Jahren die Leistungen in Anspruch nehmen. Zudem entfällt eine Beitragszahlung zur staatlich geförderten privaten Zusatzversicherung im Pflegefall nicht. Das bedeutet, auch im Pflegefall muss weiter bezahlt werden.
Die Verbraucherzentralen sehen deshalb den so genannten "Pflege-Bahr" allenfalls für junge Menschen, die eine schwere Krankheit haben oder aber für bereits alte Menschen, die keine andere Versicherungen erhalten, als geeignet an. Für alle anderen Personenkreise seien nach Ansicht der Stiftung Warentest die staatlich geförderte private Pflegezusatzversicherung nicht geeignet. Insbesondere die Kostenexplosionen durch die zunehmende Anzahl pflegebedürftiger Personen dürften zukünftig den Leistungsumfang der privaten Pflegezusatzversicherung zusätzlich schmälern.
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Adiopositas-Op nötig, aber Kasse will nicht zahlen

Wenn der Antrag eines Adipositas-Patienten auf eine bariatrische Operation abgelehnt wird, bringt das Ärzte in eine schwierige Situation. Denn oft verschlechtert sich der Zustand des Betroffenen. mehr »

9 wichtige Forderungen, Analysen, Informationen

Fleißige Delegierte: In Freiburg wurde wieder eine große Palette an Themen abgearbeitet. mehr »

Immer mehr Nichtraucher erkranken an Lungenkrebs

In US-Kliniken tauchen immer häufiger Nichtraucher mit Lungenkrebs auf, vor allem Frauen sind betroffen. Das könnte am Passivrauchen liegen. mehr »