Ärzte Zeitung online, 01.11.2013

Kommentar zum Alster-Pflegenetz

Keine Euphorie, aber Hoffnung

Das Alster-Pflegenetz könnte Vorbildcharakter haben. Der Erfolg hängt aber nicht nur von den beteiligten Ärzten und Pflegekräften ab, sondern auch davon, ob andere Kassen aufspringen.

Von Dirk Schnack

Für Euphorie um das Alster-Pflegenetz ist es noch zu früh. Zwar liegt nach jahrelanger Vorarbeit endlich eine Vereinbarung vor, die die ärztliche Betreuung in Pflegeheimen einen deutlichen Schritt nach vorn bringen kann.

Aber vorher muss sich die Vereinbarung daran messen lassen, ob die Beteiligten es auch mit Leben füllen. Pflegeeinrichtungen, Ärzte und Krankenkassen müssen zu einem Beitritt bewegt werden.

Die bislang beteiligten Krankenkassen versichern nur rund 31 Prozent der GKV-Patienten in Hamburg. Ein Erfolg ist davon abhängig, ob die anderen Krankenkassen es zu einem flächendeckenden Modell werden lassen.

Wenig wahrscheinlich ist, dass Ärzte sich verweigern. Zahlreiche niedergelassene Ärzte leisten derzeit mit hohem persönlichen Aufwand die Betreuung in den Heimen. Viele von ihnen könnten durch die neue Vereinbarung verlässlich kalkulieren.

Der Vorteil für die Patienten liegt in einer Rufbereitschaft rund um die Uhr, die es so bislang noch nicht gibt. Damit könnten unnötige Klinikeinweisungen vermieden werden. Zugleich birgt diese Zusage das Risiko, dass Pflegekräfte die Ärzteteams über Gebühr strapazieren und die Rufbereitschaft vorschnell nutzen.

Hier können Ärzte jedoch vorbeugen: frühzeitige Präsenz, eine gute Einstellung der Patienten und Kommunikation mit dem Pflegepersonal lassen den Arzt nachts schlafen.

Lesen Sie dazu auch:
Hamburg: Sicheres Honorar im Alster-Pflegenetz

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »