Ärzte Zeitung, 28.10.2013

Schleswig-Holstein

Knappes Votum pro Pflegekammer

Nur etwas mehr als die Hälfte der befragten Pflegekräfte in Schleswig-Holstein hat sich dafür ausgesprochen, eine Pflegekammer zu schaffen. Etwa zwei Drittel meinen, auch mit einer Kammer ließen sich Probleme wie niedrige Löhne nicht lösen.

KIEL. Eine knappe Mehrheit der befragten Pflegekräfte in Schleswig-Holstein hat sich für die Errichtung einer Pflegekammer ausgesprochen.

51 Prozent votierten für die Kammergründung, 24 Prozent dagegen. Ein Viertel der Befragten hat sich noch keine Meinung gebildet. 1170 Alten- und Pflegekräfte waren im Auftrag des Landes befragt worden.

Rund 58 Prozent von ihnen verfügt nach eigener Einschätzung über einen hohen oder mittleren Informationsstand zum Thema.  Befragte, die ihren Informationsstand für hoch halten, sprachen sich eher für die Kammergründung aus.

Zwei Drittel sehen in einer Pflegekammer eine Vertretung der beruflich Pflegenden, die der Pflege eine einheitliche Stimme in Politik und Öffentlichkeit geben und deren Position im Gesundheitswesen stärken könnte.

Der gleiche Anteil an Befragten gab außerdem an, dass eine Kammer wichtige Probleme wie etwa Fachkräftebedarf und niedrige Löhne nicht lösen könne. Die Zustimmungswerte zur Errichtung der Kammerunterscheiden sich in den Berufsgruppen, am höchsten ist die Zustimmung in der Krankenpflege. 

Pflegekammer-Konferenz angekündigt

Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD) will die Erkenntnisse der Umfrage im Errichtungsverfahren der Pflegekammer nutzen.

"Sie geben Hinweise für die Ausgestaltung der Pflegekammer. Dazu gehört für mich auch, dass die Kosten einer Kammer für die Mitglieder einkommenskompatibel sein müssen. Eine Möglichkeit wären gestaffelte Beiträge. Außerdem wurde deutlich, dass eine weitergehende Information der Beteiligten notwendig ist", sagte Alheit.

Sie kündigte noch für dieses Jahr eine Pflegekammer-Konferenz an, um Verbände, Organisationen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern und weitere Beteiligte über den Stand des Verfahrens zu informieren und sich abzustimmen.

Ein für 2014 angestrebtes Pflegekammergesetz soll die Voraussetzungen zur Bestellung eines Ausschusses schaffen, der dann eine Kammerwahl vorbereiten kann.

"Deutlicher Ruf"

Der Pflegerat Schleswig-Holstein sieht sich mit dem Ergebnis bestätigt. "Nun geht es nicht mehr um die Frage, ob die Pflegekammer kommt.

Jetzt entscheidet sich nur noch, wie sie gestaltet wird", sagte der Landesvorsitzende Frank Vilsmeier. Er räumte aber ein, dass noch mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden müsse.

Die CDU-Opposition im Norden sieht dagegen keine Vorteile für die Pflegenden durch eine Kammergründung.

"51 Prozent Zustimmung sind alles andere als ein deutlicher Ruf der Pflegenden nach einer Pflegekammer", sagte die sozialpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Katja Rathje-Hoffmann. (di)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »