Ärzte Zeitung App, 04.12.2013

Trotz Widerstands

Pflegekammern vor dem Durchbruch?

Im Deutschen Pflegerat wächst der Optimismus: 2015 könnte in mehreren Bundesländern die Zeit reif sein für die seit langem geforderte Gründung von Pflegekammern. Doch noch immer gibt es Störfeuer.

Von Dirk Schnack

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Was gibt der Pflege mehr Halt und Wertschätzung? Der Pflegerat sieht in der Kammergründung eine Antwort.

© Bockwoldt/dpa

HAMBURG. Pflege in Deutschland braucht mehr Wertschätzung, aber auch mehr Mittel: darüber waren sich die Teilnehmer des elften in Kooperation mit Springer Medizin veranstalteten Gesundheitspflege-Kongresses auch mit Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks einig.

Noch nicht ganz entschieden ist dagegen für einige Teilnehmer und auch für die SPD-Politikerin die Frage der Kammergründung. Auf der einen Seite gibt es überzeugte Befürworter wie Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates (DPR).

Störfeuer kommt weiterhin von einigen Arbeitgeberverbänden und von der Gewerkschaft verdi. Westerfellhaus vermutet dahinter massive Eigeninteressen und die Sorge, dass Pflegekräfte künftig seltener in die Gewerkschaft eintreten könnten.

Der Pflegerat ist aber zuversichtlich, dass der Kampf um die Gründung von Pflegekammern in Kürze von Erfolg gekrönt sein wird. Frank Vilsmeier, Landeschef in Schleswig-Holstein, erwartet Kammergründungen im Jahr 2015 in seinem Bundesland, sowie in Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Hamburg.

In der Hansestadt wurde kürzlich Informationsmaterial für eine Befragung zur Kammergründung verschickt. Prüfer-Storcks misst der Abstimmung hohe Bedeutung bei: "Es ist mir ein großes Anliegen, dass Betroffene ihr Votum abgeben."

Wie berichtet hatte sich bei einer Befragung in Schleswig-Holstein eine knappe Mehrheit für eine Kammergründung ausgesprochen. Die Gesundheitssenatorin gab auf dem Pflegekongress kein eindeutiges Ja zur Kammergründung ab.

Pflegende sind arbeitgebertreu

Deutlicher wurde sie bei der Frage der Mittel. Sie hält einen Anstieg des Beitragssatzes in der Pflegeversicherung um 0,5 Punkte für erforderlich, um die in den Koalitionsverhandlungen besprochenen Verbesserungen für die Pflege zu erreichen.

Als eines der größten Probleme in der Pflege wurde in Hamburg neben dem Gehalt und der Wertschätzung die Personalausstattung und damit zusammenhängend die Arbeitsverdichtung genannt. Laut einer von Professor Holger Buxel aus Münster vorgestellten Umfrage sehen auch die Pflegekräfte darin eines der größten Defizite.

Zugleich sind die Pflegenden aber sehr wohnort- und arbeitgebertreu. Weniger als 30 Prozent der Befragten denkt trotz der genannten Probleme über einen Wohnort- oder Arbeitgeberwechsel nach.

60 Prozent von ihnen würde sich wieder beim gleichen Arbeitgeber bewerben, 52 Prozent identifizieren sich mit dem Krankenhaus, in dem sie arbeiten, und 43 Prozent würde den eigenen Arbeitgeber Bekannten empfehlen.

Buxel führt die Treue zum Arbeitgeber aber auch auf die oft fehlenden Alternativen im Umkreis zurück. Für die Arbeitgeber bedeutet dies im Umkehrschluss ein Rekrutierungsproblem, da es kaum arbeitslose Fachkräfte gibt.

Buxel leitete daraus die Empfehlung für Arbeitgeber ab, den eigenen Pflegekräften mit viel Wertschätzung zu begegnen und mehr Wert auf die Ausbildung zu legen. Die Zentralisierung der Ausbildung, wie sie Träger forciert haben, hält er in diesem Zusammenhang für einen Fehler.

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