Ärzte Zeitung online, 17.04.2014

Experten einig

Pflege soll an Bedeutung gewinnen

Eine Verkammerung kann helfen, die akademische Pflegeausbildung voranzutreiben - und damit den Beruf attraktiver machen, sind Experten überzeugt. Manche sehen sogar künftige Versorgungsmodelle, in denen die Pflegekräfte federführend tätig sein könnten.

Von Tobias Meyer

Pflege soll an Bedeutung gewinnen

Stützpunkt Pflege - die künftige Pflege muss selbst gestützt werden.

© Peter Steffen / dpa

DRESDEN. Berufsvertreter der Pflege mahnen rasche Lösungen für den drohenden Fachkräftemangel in Sachsen und darüber hinaus an. Anlass dazu gab der Interprofessionelle Pflegekongress vom 10. bis 11. April in Dresden.

Bis zum Jahr 2030 müssten bundesweit mindestens 500.000 Vollzeitstellen im Pflegebereich neu besetzt werden, um den steigenden Pflegebedarf bewältigen zu können, sagte Peter Bechtel, Vorsitzender des Bundesverbandes Pflegemanagement und Pflegedirektor am Herzzentrum in Bad Krozingen.

Bechtel verwies auf den Pflegereport 2030 der Bertelsmann Stiftung, dessen Autoren von einem Anstieg des Bedarfs an Pflege und Betreuung um bis zu 50 Prozent im Vergleich zu heute ausgehen.

Bemühungen, den Personalmangel über das Anwerben ausländischer Arbeitskräfte aus Spanien, Griechenland oder China lösen zu wollen, seien lobenswert, griffen aber letzten Endes zu kurz. "Das hat schon in den 1990er Jahren, als wir massenhaft Pflegekräfte von den Philippinen ins Land holen wollten, nicht funktioniert - und es wird auch jetzt nicht funktionieren."

Wichtiger und erfolgversprechender sei es, die Arbeitsbedingungen in der Pflege "spürbar" zu verbessern und den Pflegeberuf für junge Menschen attraktiv zu machen. Mit dem Kleben von Plakaten sei es aber nicht getan, so Bechtel.

Pflegeausbildung akademisieren

Der Vorsitzende des Sächsischen Pflegerates, Michael Junge, forderte in diesem Zusammenhang eine Stärkung der akademischen Pflegeausbildung an Hochschulen. "Nur auf Haupt- und Realschüler zu setzen, reicht auf Dauer nicht aus."

Darüber hinaus sei es an der Zeit, die Gestaltung des Pflegeberufes in die Hände derer zu legen, die den Beruf tagtäglich ausübten. "Deshalb brauchen wir eine Pflegekammer in allen 16 Bundesländern", so Junge.

Eine solche Institution sei kein "bürokratisches Monster", wie Gewerkschaften und Arbeitgeber unisono unterstellten. "Eine Pflegekammer trifft wichtige Entscheidungen für die Berufsausübung, von der auch die Patienten profitieren."

Dazu gehöre etwa die Regelung der Fort- und Weiterbildung beruflich Pflegender, aber auch eine exakte Erhebung der Zahl all derer, die in der Pflege im Einsatz sind. "Hier stochern wir bislang im Nebel."

Bei einer Podiumsdiskussion mit Vertretern der fünf wichtigsten Fraktionen im Sächsischen Landtag wurde jedoch deutlich, dass es noch einiger Argumente bedarf, um die Politik von der Schaffung einer pflegerischen Selbstverwaltung zu überzeugen.

Dagmar Neukirch, Sprecherin für Soziales, Gesundheit, Familie und Senioren der SPD-Landtagsfraktion, zeigte sich gegenüber der Etablierung einer Pflegekammer grundsätzlich offen. Gleichwohl seien noch Fragen zu klären.

Rheinland-Pfalz ist Sachsen voraus

Alexander Krauß von der CDU-Fraktion bezweifelte, ob sich drängende Probleme wie der Fachkräftemangel mit der Pflegekammer lösen ließen. Kristin Schütz, Mitglied der FDP-Fraktion, wies daraufhin, dass das Instrument der Selbstverwaltung Freiberuflern wie Ärzten und Apothekern vorbehalten sei, weil es dort auch Sinn mache.

Deutlich weiter gediehen als in Sachsen sind die Kammerpläne in Rheinland-Pfalz. Anfang 2016 werde es dort eine solche Einrichtung geben, um den rund 40.000 Pflegefachkräften im Land eine "einheitliche und wirksame Stimme zu geben", sagte Dr. Jürgen Faltin vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie.

Zum 1. Januar 2015 werde das Heilberufegesetz entsprechend novelliert, unmittelbar danach nehme der Gründungsausschuss seine Arbeit auf und bereite Kammerwahlen vor.

Auf Veranstaltungen könnten sich Pflegekräfte derzeit über die Pflegekammer informieren. "Das ist kein Schnellschuss", stellte Faltin klar.

Er zeigte sich überzeugt, dass im Gesundheitswesen mehr pflegerische Expertise gebraucht werde. Insbesondere im ambulanten Bereich schälten sich Versorgungsstrukturen heraus, in denen die Pflege federführend sei.

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