Ärzte Zeitung, 09.05.2014

Kommentar zur Minutenpflege

Satt, sauber und billig

Von Florian Staeck

Wettbewerb ist ein scharfes Schwert. Er verteilt Macht zwischen Anbietern und Nachfragern von Leistungen - oft mit Effekten, die so vom Gesetzgeber nie gewollt waren.

Die ambulante Pflege ist ein Musterbeispiel für diese Fehlentwicklung. Die Modellrechnung zur Unterfinanzierung der ambulanten Pflege, die der Paritätische Wohlfahrtsverband vorgelegt hat, beleuchtet die oft zitierten Missstände in der Pflege aus einer anderen - strukturellen - Perspektive.

Bundesweit 600.000 Menschen, die von ambulanten Pflegediensten betreut werden, erfahren täglich, wie wertvoll Zeit ist, die ihnen gewidmet wird.

Doch die Bildung von Preisen unter Wettbewerbsbedingungen hat sich in der ambulanten Pflege als Trigger für Satt- und Sauber-Pflege, Arbeitsverdichtung und vorzeitigen Berufsausstieg von Pflegekräften erwiesen. Um 15 Prozent ist im Schnitt die Vergütung seit 1998 gestiegen, die Kosten der Pflegedienste aber um 70 Prozent.

Viel wird angesichts der Pflegereform dieser Tage über Qualität diskutiert. Die Etablierung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs steht im zweiten Schritt bereits auf der Agenda. Soll dies nicht Symbolpolitik bleiben, müssen auch die Finanzierungsstrukturen der ambulanten Pflege auf den Prüfstand.

Lesen Sie dazu auch:
Ambulante Pflege: Marktpreis als Peitsche zur Minutenpflege

Topics
Schlagworte
Pflege (4715)
Personen
Florian Staeck (1081)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »