Ärzte Zeitung, 19.12.2014

Vor 25 Jahren und heute

Eine Nachtschicht als Pfleger

Die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte haben sich in den letzten 25 Jahren gravierend verändert. Vor allem, was die Nachtschicht angeht. Eine neue Studie hat das genauer unter die Lupe genommen.

Von Anne-Christin Gröger

Rasante Veränderungen vor allem im Nachtdienst

Oft unter Druck: Eine Krankenschwester prüft eine Infusion.

© contrastwerkstatt / fotolia.com

WITTEN. Pflegerinnen und Pfleger, die in Krankenhäusern Nachtdienste übernehmen, müssen heute weniger Patienten pro Pflegekraft betreuen als vor rund 25 Jahren. Dafür ist die Versorgung viel aufwändiger geworden.

Das ist Ergebnis einer Studie von Professor Christel Bienstein und Professor Herbert Mayer vom Institut für Pflegewissenschaft an der Universität Witten/Herdecke.

Die beiden Wissenschaftler haben zwischen 2010 und 2013 deutschlandweit den Nachtdienst in Kliniken untersucht.

Dazu verwendeten sie identische Fragebögen einer Untersuchung aus den Jahren 1986 bis 1989, die die Pflegewissenschaftlerinnen Professor Sabine Bartholomeyczik und Professor Angelika Zegelin initiiert hatten.

Beide arbeiten ebenfalls am Institut für Pflegewissenschaften an der Hochschule.

Die Nacht in Krankenhäusern

Die Studien haben die Wissenschaftler während der Tagung "Die Nacht in deutschen Krankenhäusern" an der Universität Witten/Herdecke einander gegenübergestellt. Bei der Präsentation wurden die Veränderungen in der nächtlichen Pflegesituation deutlich.

Im Vergleich zu früher stehen Nachtpflegekräfte heute vor der Herausforderung, sich ständig auf neue Patienten und ihre Krankengeschichte einstellen zu müssen. Waren Patienten 1989 durchschnittlich 13,7 Tage auf Station, waren es 2012 nur noch rund sieben Tage.

 "Machen die Pflegekräfte nur ein oder zweimal pro Woche Nachtdienst, haben sie es in jeder Schicht mit neuen Patienten zu tun, in deren Anamnese sie sich jedes Mal neu einstellen müssen", sagte Bienstein.

Zudem seien die Patienten kränker geworden, viele seien hochbetagt, multimorbide oder dement. "Pflegekräfte müssen viel mehr Fachwissen haben als früher, um sich all diesen Herausforderungen pflegerisch stellen zu können."

Besonders schwierig ist die Situation, weil 72 Prozent der Pflegekräfte nachts alleine auf der Station sind. "Die Pflegekräfte haben Angst vor dem unberechenbaren Verhalten alkoholisierter, psychisch kranker oder dementer Menschen", berichtete Bienstein.

"Viele würden sich wünschen, einen Springer im Hintergrund zu haben, der regelmäßig vorbeischaut."

Allein auf Station mit 20 Patienten

Dass die Nachtschwestern und -pfleger oftmals mit mehr als 20 Patienten allein auf Station sind, ist ihrer Meinung nach ein untragbarer Zustand.

"Tagsüber werden Patienten von mehrere Pflegenden und Ärzten umsorgt, aber nachts gibt es auf fast allen Stationen nur noch eine Person.

Und die muss in Krisensituationen die richtigen Entscheidungen treffen", sagte sie. Deswegen müsste die nächtliche Arbeit von besonders qualifizierten Pflegekräften übernommen werden.

Damit widerspricht sie der gängigen Meinung, dass nachts die Pflegenden nicht ganz so kompetent sein müssten.

Allerdings gibt es auch positive Entwicklungen. Schwestern und Pfleger, die in Krankenhäusern Dauernachtwachen übernehmen, fühlen sich heute deutlich weniger belastet als noch vor 26 Jahren.

Während sich im Jahr 1988 noch 67 Prozent der Nachtschwestern und -pfleger stark körperlich und 63 Prozent stark nervlich angestrengt fühlten, waren es 2013 nur noch 46 Prozent beziehungsweise 27 Prozent.

Gründe dafür sind etwa eine pflegefreundlichere Ausstattung in den Kliniken, aber auch die Tatsache, dass die Pflegekräfte etwas weniger Patienten als vor 26 Jahren zu versorgen haben.

Auch hat die Dauer der einzelnen Schichten abgenommen. 1988 dauerte die Nachtwache bei 24 Prozent der Befragten länger als zehn Stunden, heute sind es nur noch acht Prozent, die mehr als zehn Stunden pro Nachtschicht arbeiten müssen.

Ein Tag zum Ausschlafen

Um die Arbeitssituation der Pflegenden weiter zu verbessern, haben Bienstein und ihr Kollege Meyer einen Forderungskatalog aufgestellt, wie Nachtwachen in Zukunft organisiert sein sollten.

Sie wollen, dass Pflegekräfte nachts maximal 20 Patienten betreuen müssen und dass ihnen eine zweite Kraft an die Seite gestellt wird, die ebenfalls gute pflegerische Kenntnisse hat.

Sie halten außerdem einen zusätzlichen Ausschlaftag und eine Pause während des Nachtdienstes für notwendig.

Dass diese Pausen während des Nachtdienstes allerdings regelmäßig nicht wahrgenommen werden, liegt teilweise auch an den Pflegerinnen und Pflegern selbst, hat Peter Jacobs beobachtet. Er ist heute Berater im Gesundheitswesen.

Davor war er als Pflegedirektor am Uniklinikum München tätig. Jacobs hat von der Arbeitgeberseite aus gesehen, wie sich Pflegekräfte regelmäßig die "Gesundheit abkaufen lassen", wie er es nennt.

"Wenn ich eine feste Pause für den Nachtdienst einrichten wollte, wollten Mitarbeiter häufig lieber durcharbeiten und sich die halbstündige Pause als Überstunden anrechnen lassen", sagt er. Keine Ruhepausen zu haben, sei aber schlichtweg skandalös.

[22.12.2014, 19:14:01]
Mia Schöndorf 
Ich bekomm Schnappatumung!!
Ich bin so aus der Fassung das ich mir echt grade überlege was ich hier und vorallem wie ich dir hier Antworte ohne dich zu beleidigen müssen.

Es hat einen Grund warum eine Krankenschwester im Krankenhaus arbeitet und eine Altenpflegerin nicht. Wegen solchen Menschen wie dir. Wir lernen in unserer Ausbildung das ein Dauerkatheter z.B. nicht dafür da ist uns das Leben einfach zu gestalten sondern eine Med. Indikation bedarf. Wir entscheiden über 20 Patienten die alle krank sind denn sonst würden sie nicht im Krankenhaus liegen. Natürlich sind alte Menschen auch mal instabil und ich behaupte nicht das es einfach ist. Aber ganz ehrlich, man weiss vorher auf was man sich einlässt. Es sind auch nicht immer Ärzte in der Nähe die einem die glühenden Kohlen aus dem Feuer holen. Vorallem nachts ist man auf sich alleine gestellt. Und ja Dekubitusprohylaxe, Inkontinenzmaterial wechseln und auch mal was zu trinken anbieten gehört selbsverständlich auch dazu. Demenz im KH kein Thema? Man läuft wenn es sein muss zwischen 10-20 Klingeln mit einem Demenz erkrankten Stundenlang auf dem Flur herum obwohl man die Zeit und die Arbeit im Nacken sitzten hat.


Ich finde es eine absolute Frechheit das du sowas behauptest. Aus diesem Grund hoffe ich das es niemals dazu kommen wird das die beiden Berufe auf eine Ebene gestellt werden.

Bevor du solch Aussagen triffst überlege dir gut was du da sagst und ob es so schlau ist!  zum Beitrag »
[21.12.2014, 10:43:29]
janine grashoff 
Verkehrter Film????
Tut mir leid liebe Martina aber wenn ich so einen unsagbaren Schwachsinn lesen muss wie in deinem Kommentar dann schwillt mir echt der Hals.
Ich kenne beide Bereiche sehr gut und mir würde es niemals einfallen, bloß weil ich Krankenschwester bin, schlecht über meine Kollegen in der Altenpflege zu sprechen. Ich dachte Pflegekräfte sitzen in einem Boot?? Wenn wir uns nichtmals einig sind und uns gegenseitig schlecht machen wie sollen wir dann denn Rest der Welt davon überzeugen das Pflege mehr leistet als gedacht? Das wir zu schlecht bezahlt sind? Das Pflege halt nicht jeder kann???
Hast du jemals Nachtdienst im Krankenhaus gemacht? Hast du 32 AKUT KRANKE Menschen betreut? Infusionen anhängen, laufende Bluttransfusionen überwachen, Vitalzeichenkontrolle, Medikamente stellen, nächste Infusionen vorbereiten, Blut abnehmen, Aufnahmen (die auch Nachts kommen) Erstversorgen und ausarbeiten, Visiten ausarbeiten bzw kontrollieren und nebenbei, ja machen auch wir unsere Durchgänge, lagern, machen Toilettengänge oder Inkontinenzversorgung.
Ja einen Arzt in der Nähe zu wissen ist praktisch aber auch der hat oftmals keine Zeit, weil er zwischen Intensivstation und Aufnahme pendelt. Die meisten Notfälle passieren leider Nachts und während man im Altenheim vielleicht mal 1 Notfall hat (was schon ausreichend genug ist), haben wir im Krankenhaus manchmal 3.
Versorgung von Demenzkranken??? Wird in der Ausbildung sehr wohl thematisiert und in zahlreichen Fortbildungen ausgeweitet. Aber egal wie viel wir darüber wissen, Demenz ist und bleibt schwierig im Krankenhaus. Wir sind fremd, die Umgebung erst recht, wir tun oftmals weh im Bezug auf Blutentnahme, Untersuchungen usw. Wir sind niemals so nah am Menschen wie Altenpfleger. Ihr kennt oft das gesamte Leben des Menschen, ihr kennt den Menschen und nicht nur die Symptome weswegen er gerade da ist. Hätten wir genügend Personal in der Pflege wäre es vielleicht auch mal möglich enger zusammen zu arbeiten. Altenpflege und Krankenpflege, gerade bei dementiell Erkrankten.
Aber dafür müssen wir erstmal aufhören uns selbst zu bekriegen.
 zum Beitrag »
[20.12.2014, 19:13:51]
Prof. Dr. Ingo Heberlein 
Höhere Selbständigkeit der Altenpflege
Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner Entscheidung zum Altenpflegegesetz auf die häufig höhere Selbständigkeit und Verantwortung der Altenpflege hingewiesen. Das war einer der leitenden Gesichtspunkte, die Altenpflege als Gesundheitsberuf anzuerkennen. zum Beitrag »
[19.12.2014, 14:18:30]
Martina Lübke 
Es gibt auch noch Altenpfleger
Warum schreiben eigentlich alle nur über Krankenpfleger, wenn es um Pflege geht?
Es gibt auch noch Altenpfleger.
Jene Altenpfleger arbeiten auch teilweise nachts alleinverantwortlich für bis zu 50 Bewohner.
Auch sie haben zu entscheiden, wann ein Arzt zu Rate zu ziehen ist. Dieser Arzt ist dann noch nicht einmal vor Ort, sondern kommt vom Kassenärztlichen Notdienst. Oft kann er auch nicht sofort kommen oder gar nicht, weil er zuviel zu tun hat. Dann ist zu entscheiden ob evtl. doch ein Rettungswagen angefordert werden muss oder nicht.
Einen Arzt vor Ort zu haben wie die Krankenpfleger ist für einen Altenpfleger purer Luxus.
Warum beklagen sich Krankenpfleger eigentlich? Die haben es doch gut. Die haben immer einen Arzt in Bereitschaft im Krankenhaus. Wie sieht es eigentlich mit Dekubitusprophylaxe, Lagerung und Inkontinenzversorgung aus? Wird das im Krankenhaus auch nachts bei den Rundgängen durchgeführt? Aus Bequemlichkeit wird dann doch eher ein transurethraler Dauerkatheter gelegt, um Toilettengänge zu minimieren.
Bei Demenzkranken kann das auch schon mal schwierig werden mit den Toilettengängen, aber als Pflegefachkraft sollte man das doch können, oder nicht? Altenpfleger lernen sowas in der Ausbildung.

Beim Thema Demenz gibt es in der Krankenpflege leider hohen Nachholbedarf. In der Altenpflege ist das Alltag.
Umgang mit Demenzkranken müsste fester Bestandteil der Krankenpflegeausbildung sein, sollte die Pflegewissenschaft und die Politik mal drüber nachdenken. Dann hätten Krankenpfleger schon mal erheblich weniger Stress, auch nachts. Außerdem müsste die Krankenpflege sich wieder auf ihre Wurzeln besinnen, auf die Pflege und nicht auf die alleinige Behandlung von Krankheiten. Das würde automatisch ein anderes Selbstverständnis von Pflege und weniger Frust erzeugen.
Frau Bienstein ist doch auch nicht mehr so jung, eine gute Kranken-und Altenpflege sollte ihr am Herzen liegen. zum Beitrag »

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