Ärzte Zeitung, 02.02.2015

Bildungsangebote

Neue Chancen für die Pflege

Wann kommt das neue Pflegeberufegesetz? Darüber diskutieren derzeit Vertreter von Bund und Ländern. Zwar gibt es noch keine Einigung, aber viele Vorschläge, wie Bildungsangebote verbessert werden können.

Von Jonas Tauber

BERLIN. Pflegeberufe müssen angesichts des steigenden Pflegebedarfs und zu geringer Bewerberzahlen attraktiver werden. Große Hoffnungen ruhen dabei auf neuen Bildungsmöglichkeiten, zeigte der Gesundheitskongress Pflege von Springer Medizin in Berlin. Für den Themenblock "Neue Bildung" interessierten sich so viele Kongressbesucher, dass mancher stehen musste.

Professorin Ingrid Darmann-Finck vom Institut für Public Health und Pflegeforschung an der Universität Bremen plädierte für die Akademisierung.

Sie berichtete von einem Ende 2014 abgeschlossenen Projekt: Unter ihrer Leitung hat ein Forschungsteam zwölf Modellstudiengänge für Gesundheitsberufe im Bundesland Nordrhein-Westfalen evaluiert, darunter fünf Bachelor-Pflegestudiengänge.

Weil der Auftraggeber der Studie, das Gesundheitsministerium NRW, sich die Veröffentlichung des bereits erstellten Abschlussberichts vorbehält, stellte Darmann-Finck lediglich die Konzeption des Projekts und Zwischenergebnisse vor.

Höhere Kompetenz durch Studium

Ihr Fazit: "Wir können sagen, dass es ein Königsweg ist, einen Teil der Pflege auf Bachelor-Niveau zu führen", sagte Darmann-Finck. Studierte Pfleger hätten eine höhere Kompetenz, wovon die Versorgungsqualität profitiere.

Allerdings sei noch einiges zu tun. So müssten Konzepte erstellt werden, wie an der Hochschule Ausgebildete in die Pflegepraxis integriert werden können. Außerdem müssten die Hochschulen ausgebaut werden.

"Das größte Paket war die Evaluationssynthese." Von 2012 bis 2014 erstellten die Universitäten für jeden Studiengang jährlich einen Evaluationsbericht zu festgelegten Fragen wie den Motiven der Studiengänge, Kooperationspartnern, Lehrveranstaltungen oder Kosten. Die Informationen der insgesamt 36 Berichte führten die Forscher zusammen.

Dazu kamen eigene Erhebungen. So untersuchte ein kooperierendes Forscherteam von der katholischen Stiftungsfachhochschule München unter Leitung von Professor Bernd Reuschenbach, wie sowohl Studierende als auch Auszubildende ihre Fachkompetenz selbst einschätzen.

"Außerdem führte er qualitative Ergebnisse mit Praxisvertreterinnen im Hinblick auf die Fremdeinschätzung der Kompetenzen der Bachelor-Studenten", berichtete die Bremer Wissenschaftlerin.

Ob und in welchem Ausmaß die Versorgungsqualität durch studierte Pfleger steigt, lässt sich in Deutschland aufgrund der geringen Absolventenzahl noch nicht empirisch untersuchen.

Die Forscher analysierten deshalb entsprechend Studien aus dem Ausland, die nach ihren Angaben aufgrund ihrer Güte sehr belastbar sind.

Gesetzgebungsverfahren bis 2016 abgeschlossen?

Zum geplanten Berufegesetz gebe es noch keinen Referentenentwurf, sagte Dr. Tobias Viering vom Bundesministerium für Familie, Senioren Frauen und Jugend. Das erschwere die aktuelle Diskussion.

Dennoch stellte er in Aussicht, dass das Gesetzgebungsverfahren noch in diesem Jahr beginnen werde, aber wohl erst 2016 abgeschlossen sei.

Ziel ist die Schaffung einer gemeinsamen Ausbildung für Krankenpfleger, Kinderkrankenpfleger und Altenpfleger. Es soll Pflichtbereiche für alle drei Berufsgruppe geben. Dazu gehörten stationäre Akutpflege, stationäre Langzeitpflege, ambulante Pflege oder pädiatrische Pflege.

Am Ende soll ein einheitlicher Berufsabschluss stehen mit einem im Zeugnis ausgewiesenen Vertiefungsbereich. "Der generalistische Ansatz wird den Ausbildungscharakter deutlich stärken und damit die Qualität", versprach Viering.

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