Ärzte Zeitung, 11.09.2012

Kommentar zur BZgA

Prävention ist kein Selbstläufer

Von Ilse Schlingensiepen

Prävention ist wichtig, aber sie ist kein Selbstläufer. Vor lauter Freude über den guten Zweck von Vorbeugemaßnahmen darf nicht vergessen werden, dass auch sie den Beweis für ihre Wirksamkeit antreten müssen. Nur weil Prävention draufsteht, muss nicht unbedingt Prävention drin sein.

Nach einer aktuellen Untersuchung liegt nur bei einem verschwindend kleinen Teil der Präventionsprojekte zum Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen eine gesicherte Evidenz zur Wirksamkeit vor. Das ist ernüchternd, nicht zuletzt angesichts der Fördermittel, die in diesen Bereich fließen.

Das Ergebnis deckt sich mit dem einer internationalen Studie zu Präventionsmaßnahmen aus dem Jahr 2009. Auch damals gab es kaum Belege für die Effektivität.

Es ist klar, dass bei der Prävention keine schnellen durchschlagenden Erfolge zu erzielen sind, gerade wenn es darum geht, das Verhalten von Menschen zu verändern.

Die Untersuchungsergebnisse dürfen deshalb nicht dazu führen, den Sinn von Prävention in Frage zu stellen - weder beim Alkoholmissbrauch noch auf anderen Feldern.

Aber genauer hinschauen als bisher muss man offensichtlich schon. Denn das Geld, das in nicht wirksame Projekte fließt, fehlt an anderer Stelle.

Lesen Sie dazu auch:
Komasaufen: Prävention in der Kritik

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