Ärzte Zeitung, 14.12.2012

Neuer Job für Hausärzte

Schwarz-Gelb will Präventionslotsen

Die Koalition ist sich einig - und will die Prävention im Lande voranbringen. Eine zentrale Rolle sollen die Hausärzte spielen. Die Kassen sollen dafür mehr Geld zahlen.

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Hier spielt die Musik: Hausärztin bei der Präventionsarbeit.

© StockLite / shutterstock

BERLIN. Hausärzte werden künftig mehr als bislang in die Prävention eingebunden: Sie sollen nicht nur Früherkennung, sondern auch verstärkt Gesundheitsvorsorge in ihren Praxen anbieten.

Das sieht ein 16-seitiges Eckpunktepapier für eine neue Präventionsstrategie vor, auf das sich Union und FDP in Berlin geeinigt haben. Geplant ist, dass gesetzliche Reglungen im Jahr 2013 folgen.

Dem Eckpunktepapier zufolge sollen Ärzte vermehrt auch die Kinder an Schulen und Kindertragsstätten untersuchen: Dort sollen Gruppenuntersuchungen auch für mehr Gesundheitsförderung stattfinden. Bislang untersuchen lediglich Zahnärzte die Kinder an den Schulen.

Die Mittel der Kassen für Präventionsleistungen sollen von gut zwei auf sechs Euro für jeden Versicherten angehoben werden. Es ist vorgesehenen, dass die Kassen nur noch wirksame Gesundheitsförderung bezahlen.

Der GKV-Spitzenverband wird verpflichtet, dafür ein Verfahren zur Qualitätssicherung aufzubauen.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erhält künftig eine zentrale Rolle in der Prävention: Sie soll zu einem Nationalen Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung fortentwickelt werden. (sun)

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[17.12.2012, 16:53:59]
Dr. Karlheinz Bayer 
wirksame Gesundheitsförderung

was jetzt, eine Erhöhung von 2 auf 4 Euro für Präventionsleistungen, zu denen auch der Schulbesuch zählen soll? Oder: die Kassen zahglen nur noch wirksame gesundheuitförderungen?

Mit Verlaub, die Art Doktorlesspiele, die sich die Gesundheitsexperten da vorstellen, werden zwar Menschenarbeitszeit binden und Ärzte von ihrer Kernarbeit abhalten, aber ob sie tatsächlich zur Prävention geeignet sind, steht in den Sternen.

Eigentlich gut, daß ein solches Thesenpapier zur absoluten Unzeit kommt und keine Hoffnung auf Erfolg haben dürfte.
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[15.12.2012, 12:32:23]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Nicht das Erreichte zählt, sondern Erzählen reicht?
Wie gestern der Gesundheitsexperte der CDU/CSU, Jens Spahn (CDU), in Berlin sagte, "Prävention muss raus aus den Sonntagsreden und rein in die Köpfe, bei Patienten, Kassen und Ärzten". "U n d Ä r z t e n"??? Da fragt man sich doch ernsthaft, ob gewisse Gesundheitspolitiker und Kassenfunktionäre nicht langsam den Verstand verlieren?

Denn w e r macht tagaus tagein in der haus- und fachärztlichen Praxistätigkeit aktiv und o h n e lange Sonntagsreden die Präventionsarbeit? Vertragsärzte und ihre Mitarbeiter, wer sonst!
J e n s e i t s von wohlfeilen Absichtserklärungen, leeren Versprechungen und Hochglanzbroschüren bei Politik, Medien und Krankenkassen lassen W i r gemeinsam mit unseren MFA's haus- und facharztübergreifend Prävention Wirklichkeit werden:
- Schwangerenvorsorgeuntersuchungen
- Neugeborenenscreening
- Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U9 bei Kindern, regional U10 und 11
- Jugendgesundheitsuntersuchung J1, regional auch J2
- Jugendarbeitsschutzuntersuchungen
- Gesundheitsvorsorgeuntersuchungen bei Herz- und Kreislaufrisiken
- spezifische Krebsvorsorge bei Frau und Mann
- Hautkrebsvorsorge
- kardiologische Screening- und Herzschrittmacherkontrollen
- radiologische Tuberkulosevorsorge und -früherkennung
- Brustkrebsvorsorge

Und was tragen, von vielen Ausnahmen einmal abgesehen, einige übergewichtige, rauchende oder an der Flasche hängende Politiker, Funktionäre, Kassenvertreter, Lobbyisten und selbsternannte Gesundheitsexperten dazu bei, den Gefahren von Alkohol, Nikotin und metabolischen Entgleisungen vorzubeugen? Das sollen die Ärztinnen und Ärzte in Klinik und Praxis mal eben zum Nulltarif mit erledigen. Wie gut, dass wir darüber geredet haben!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »
[14.12.2012, 21:08:53]
Dr. Florian Baier 
wie bitte?
in den nächsten 10 Jahren gehen die meisten Hausarztkollegen hier im Umkreis in den Ruhestand. Der arme verbleibende Rest hat wahrlich genug zu tun mit den Unmengen an Multimorbiden und Pflegefällen. Jetzt sollen wir auch noch Schuluntersuchungen machen?
Ein typisch unrealistischer Vorschlag wie er nur von Fachfremden kommen kann! zum Beitrag »

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