Ärzte Zeitung online, 09.01.2014

Gesundheitsförderung

Betriebe investieren in Fitness

Betriebliche Gesundheitsförderung gewinnt an Bedeutung: Laut einer Umfrage des DIHK machen angeblich 90 Prozent der deutschen Unternehmen ihren Mitarbeitern mindestens ein Präventionsangebot - oder planen es künftig anzubieten.

Von Susanne Werner

Betriebliche Gesundheitsförderung gewinnt an Bedeutung

Auf Sportangebote setzen 43 Prozent der Betriebe, die an der Umfrage des DIHK teilgenommen haben.

© Robert Kneschke / fotolia.com

BERLIN. Unternehmen in Deutschland sind über den gesetzlichen Rahmen hinaus in der betrieblichen Gesundheitsförderung aktiv.

90 Prozent von ihnen machen ihren Beschäftigten mindestens ein Angebot dazu oder planen dies konkret. Das geht aus einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervor.

Bei der Präsentation der zentralen Ergebnisse in Berlin sagte Dr. Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages: "Etwa zwei Drittel der befragten Betriebe haben das Thema Gesundheitsförderung in den vergangenen fünf Jahren als bedeutsam erkannt."

Die Gesundheitsförderung werde mehr und mehr, als wichtiger Baustein erkannt, um Fachkräfte sichern und erhalten zu können.

Mit dieser Einsicht seien die Betriebe den Politikern jedoch um Meilen voraus. Denn, so Dercks: "Die neue abschlagsfreie Rente mit 63 zeigt, dass die Koalition die Augen vor dem demografischen Wandel verschließt."

Der DIHK-Vertreter fürchtet, dass das Rentenmodell, das im Koalitionsvertrag festgeschrieben ist, das Engagement der Betriebe für Gesundheitsförderung unterlaufen könnte. "Die Gefahr ist, dass bei künftigen Krisen die älteren Beschäftigten eher in die Frühverrentung gedrängt werden", kritisierte Dercks.

Arbeitsplätze sollen gesundheitsgerechter gestaltet werden

35 Prozent der Betriebe gaben an, künftig verstärkt Gesundheitsförderung im Betrieb anbieten zu wollen. Ihr zentrales Thema ist dabei, die Arbeitsplätze gesundheitsgerecht auszustatten.

Vom ergonomischen Stuhl bis zur verstellbaren Werkbank - etwa 70 Prozent der beteiligten Unternehmen investierten in diesen Bereich oder haben dies vor.

An zweiter Stelle rangieren Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen direkt am Arbeitsplatz. 45 Prozent der Betriebe bieten dies an oder bereiten entsprechende Maßnahmen vor.

Sport- und Bewegungsangebote, häufig unterstützt von Fitnesstrainern oder Physiotherapeuten, gehören bei 43 Prozent der Betriebe zu den Vorhaben, ein knappes Viertel der Unternehmen (24 Prozent) sorgt für Beratungen zur Ernährung oder für spezielle Angebote in der Kantine.

Weiter organisieren oder planen etwa 26 Prozent der Befragten Angebote zur Stressbewältigung und 19 Prozent zum Thema "Umgang mit Sucht".

Etwa ein Fünftel der befragten Unternehmen (18 Prozent) setzt konzeptionell umfassender an: Längerfristige, umfangreiche Programme zum Gesundheitsmanagement gehören dort bereits zum Alltag oder sind in der Entwicklung.

Die Umfrage bestätigt auch, dass große Unternehmen deutlich mehr und umfassender in die Gesundheit ihrer Beschäftigten investieren als kleinere Betriebe.

Zwar erkennen auch 40 Prozent der Kleinunternehmen (bis zu zehn Mitarbeitern) das Thema als bedeutsam an, gleichwohl zeigen sich in der Praxis mehrere Hürden: Nur zwölf Prozent von ihnen kooperieren mit Krankenkassen oder Berufsgenossenschaften, die bei größeren Betrieben zu den zentralen Kooperationspartnern gehören.

Aufgrund der geringen Zahl von Versicherten fällt es den Kleinbetrieben oftmals schwer, den richtigen Ansprechpartner unter den Krankenkassen zu finden. Zudem scheuen sie sich vor dem Koordinationsaufwand, den entsprechende Kooperationen oftmals mit sich bringen.

Weitere gesetzliche Regelungen werden abgelehnt

Gesetzliche Vorgaben kommen in der Umfrage eher schlecht weg: 90 Prozent der Unternehmen lehnen weitere gesetzliche Regelungen ab. Auch finanzielle Anreize werden nicht nur als hilfreich bewertet.

So nutzen nur 17 Prozent der Befragten den Steuerfreibetrag für betriebliche Gesundheitsförderung oder planen dies. Dieser ermöglicht es den Betrieben, bis zu 500 Euro im Jahr und pro Mitarbeiter zu investieren, damit dieser spezielle, von Krankenkassen anerkannte Präventionsleistungen nutzen kann.

Dass dies nicht intensiver angenommen wird, liegt laut Dercks daran, dass "der bürokratische Aufwand" ungemein hoch ist: "Da vergeht einem Mittelständler schnell die Laune."

Vermehrte und bessere Informationen, vereinfachte Verfahren sowie ein anderer Mitteleinsatz könnten hier Abhilfe schaffen. Konkret forderte Dercks, "Finanzierungsspielräume innerhalb des GKV-Systems" zu nutzen, um die betriebliche Gesundheitsförderung auszuweiten.

Umfrage des DIHK

Die DIHK hat für die Umfrage mit dem Titel "An Apple a Day…" im November 2013 Unternehmen in Deutschland online befragt.

Rund 1500 Antworten gingen in die Auswertung ein. Sie verteilen sich auf die Wirtschaftszweige wie folgt: 30 Prozent Industrie, vier Prozent Bauwirtschaft, 20 Prozent Handel und 46 Prozent Dienstleistungen.

Die Antworten kommen zu 16 Prozent aus dem Norden Deutschland, zu 33 Prozent aus dem Westen, zu 15 Prozent aus dem Osten und zu 36 Prozent aus dem Süden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Gesundheit bleibt Chefsache

[12.01.2014, 02:28:10]
Eva Pichler 
Psychische Gewalt, psychosozialer Stress & Mobbing wird schlicht VERGESSEN/VERDRÄNGT
Ergonomie - Stühle, Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen, Sport- und Bewegungsprogramme, Suchtprävention oder -behandlungsmöglichkeiten, und sogar "Stressbewältigung" - all diese Maßnahmen sind zwar lobenswert, dennoch können sie keineswegs die psychische Gewalt/Psychoterror/Mobbing in Firmen verhindern, der massiven Schaden verursacht.
Wie man sogar an diesem Artikel sind, ist es NACH WIE VOR kein Thema in der betrieblichen Gesundheitsförderung. Diskret wird weggesehen - von Kommunikationsverbesserung über Stressmanagement ist die Rede - selbstverständlich muss der Mitarbeiter LERNEN, damit umzugehen...
Völlig außer acht gelassen wird das psychische Gefährdungspotenzial - das für eine vielzahl von Renten verantwortlich ist, für KH-Kosten, Rehab-Kosten,Arzt- und Therapiekosten, HartzIV-Geld, und nicht zu vergessen... für viele Suizide!
Es ist kaum fassbar, dass im Jahr 2014 immer noch nicht davon gesprochen wird, wie viele Menschen in Firmen massiv geschädigt werden, und letztendlich vom System ausgespuckt werden.

Siehe auch fachärztlichen Artikel von Dr. med. Bämayr:
http://www.aerzteblatt.de/archiv/27942/Mobbing-Hilflose-Helfer-in-Diagnostik-und-Therapie

Beste Fachartikel frei zum Download auch unter www.baemayr.net
(Belastung der Ärzte durch Richtgrößen, Mobbing und Diagnostik, spezielle Problematik in der Begutachtung von Mobbingopfern etc.).

Wie lange wollen Unternehmen und Gesellschaft noch WEGSEHEN?
Wo die Renten zB in Ö bereits bei 54 % aus psychiatrischer Sicht bestehen! Soweit ich weiß, in D ähnlich!!

BGF ohne Mobbingprävention ist wie eine infektiöse Wunde, die zwar jeden Tag verbunden wird, aber das Fehlen des lebenswichtigen Antibiotikums lässt einen dann doch mit Blutvergiftung zurück.
Eva Pichler, SHG Mobbing Graz
www.selbsthilfegruppe-mobbing-graz.at zum Beitrag »
[09.01.2014, 08:26:10]
Wolfgang Ebinger 
Büro-Ergonomie: Desk-Desk
Es war wohl jedem klar, dass die Frage nach betrieblicher Gesundheitsförderung irgendwann großflächiges Thema wird. Aber es geht noch weiter: die Zeit kommt, in der dieses Thema nicht nur betrieblich sondern persönlich wird. Die Kassen der Sozialversicherung und auch die der Betriebe werden für Prävention in der Zukunft immer weniger Geld bereitstellen. Deshalb gilt es, im Interesse der eigenen Gesundheit rechtzeitig vorzusorgen.
Ich kann für alle "Bürostuten und -hengste" nur den "Desk-Desk" empfehlen. Man gewöhnt sich sehr schnell und ganz beiläufig eine intuitive Steh-Sitz-Dynamik an, die ungemein rückenstärkend ist. Gesundheitsprävention ist und bleibt eine persönliche Entscheidung. Infos dazu unter www.desk-desk.de zum Beitrag »
[09.01.2014, 07:07:07]
Norbert Meyer 
Physiotherapeuten freuen sich über die " Fitness Jünger "
Die heranwachsende Generation, die Körperhaltung verlernt hat und zu Warmduscher und Weicheiern degeneriert,
ist mit Fitness Angeboten nicht mehr beizukommen,im Gegenteil.Mögen Sie gut betuchte Eltern haben und der Leistungskatalog im Heilmittelsektor mit derzeitigen Leitlinien, dann noch die nicht regressgestresste verordnungswillige Ärzte finden in Deutschland ! zum Beitrag »

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