Ärzte Zeitung online, 07.04.2014

Dermatologen

Hautkrebs-Screening wirkt

Das Hautkrebs-Screening beschert mehr Diagnosen, aber auch eine bessere Überlebensrate für die Patienten - davon sind die Dermatologen überzeugt. Valide Daten dazu gibt es aber nicht.

Von Anno Fricke

Hautkrebs-Screening wirkt

Hautkrebs-Screening lohnt sich, sagen Dermatologen.

© Fly_dragonfly / iStock

BERLIN. Bereits im sechsten Jahr bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen das Hautkrebsscreening bei Haut- und Hausärzten. Die bei der Auflage des Screenings vom GBA für 2013 vorgesehene Evaluation ist noch nicht angelaufen. Hieb- und stichfeste Ergebnisse gibt es daher noch nicht.

Das Screening hat zu einem Anstieg der Diagnosehäufigkeit geführt. Von 2005 auf 2012 sei die der Anteil von Menschen mit einer bösartigen Neubildung der Haut demografiebereinigt um 60 Prozent auf 388 je 100.000 gestiegen, hat die Barmer GEK ausrechnen lassen. Bei 5,7 Prozent der gescreenten Versicherten haben die Ärzte Hautkrebs diagnostiziert.

Die vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen und der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft vorgelegten Zahlen weisen hohe Spannen auf. Sicher sind sich die Experten aber in einem Punkt: "Das Screening hat zu einer Verbesserung der Überlebensrate in Deutschland geführt", sagte der niedergelassene Dermatologe Dr. Ralph von Kiedrowski am Montag in Berlin.

Neue Medikamente bringen Überlebenszeit

Auch die Situation der Menschen hat sich verbessert, bei denen der Krebs nicht mehr einfach weggeschnitten werden kann. Für Professor Dirk Schadendorf, Chefdermatologe am Universitätsklinikum Essen, hat sich die pharmakologische Entwicklung in den vergangenen fünf Jahren nachgerade überschlagen.

Die Einführung der BRAF-Inhibitoren und des Immunsystem-Aktivierers Ipilizumab habe zu einem deutlichen Gewinn an Überlebenszeit geführt. Hinter den Begriff Heilung müsse man jedoch nach wie vor ein Fragezeichen setzen, sagte Schadendorf.

Wie viele Menschen seit der Einführung des Screenings am 1. Juli 2008 tatsächlich unter die Lupe genommen worden sind, scheint schwer auszumachen zu sein. Rund 25 Millionen sollen es auf jeden Fall gewesen sein. Nach Schätzungen von Fachleuten könnten aber auch ein paar Millionen mehr das Screening in Anspruch genommen haben.

Einige Krankenkassen haben den Kreis der Anspruchsberechtigten ausgeweitet. Sie bieten das Screening nicht nur über 35-Jährigen an, sondern allen über 18 Jahren.

Nach Hochrechnungen des Krebsregisters Schleswig-Holstein sind im Jahr 2011 rund 250.000 Menschen neu an Hautkrebs erkrankt, 20.000 von ihnen am schwarzen Hautkrebs, am malignen Melanom. Laut Kiedrowski könnten es aber auch 350.000 sein. Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung deuten darauf hin, dass es sogar an die 750.000 sein könnten.

Versorgungsunterschiede zwischen Stadt und Land

Untersuchungen der Eindringtiefe von Basalzellkarzinomen legen nahe, dass die Versorgungsqualität auf dem Land schlechter ist als in Ballungszentren. Der Krebs sei bei auf dem Land wohnenden Menschen tiefer eingedrungen.

Auch für Versicherte der AOKen und der LKK liege ein höheres Risiko vor. Privatpatienten hätten sich bei dieser Untersuchung nicht besser gestellt als gesetzlich Versicherte, berichtete Kiedrowski.

Die Zusammenarbeit mit den Hausärzten lässt nach Ansicht dazu befragter Dermatologen zu wünschen übrig. 75 Prozent sähen an dieser Stelle Handlungsbedarf, sagte Kiedrowski.

Die Anzahl der Kontrolluntersuchungen nach einem Screening beim Hausarzt sei weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Es stelle sich die Frage, wie viele Patienten das Screening mit einem falsch negativen Befund verließen.

Den Daten der Barmer GEK zufolge liegen die Zahlen der Diagnosen zwischen den beiden Arztgruppen weit auseinander. Während die Dermatologen rund 10,2 Prozent Diagnosen stellen, kommen die Hausärzte lediglich auf 2,6 Prozent.

Neue App soll bei Prävention helfen

Die Dermatologen wollen auch die Prävention bei Patienten stärker ins Bewusstsein rücken. Die Frühjahrssonne habe schon jetzt viel Kraft, warnten die Hautärzte in Berlin.

Menschen, die wissen wollen, wie intensiv die UV-Strahlung aktuell gerade ist und wie lange sie sich ungeschützt im Freien aufhalten können, können Ärzte demnächst die "UV-Check App" empfehlen. Sie ist für gängige Smartphones programmiert.

Die Messeinheit fürs Handy haben das Deutsche Institut für Luft- und Raumfahrttechnik und der Berufsverband der Deutschen Dermatologen gemeinsam entwickelt.

Unterstützt worden sind sie dabei von der LEO Pharma GmbH. Die App steht ab dem 10. April kostenlos in den einschlägigen App-Stores zur Verfügung. Mehr Infos gibt‘s unter www.uv-check.de.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Luftschadstoffe beeinträchtigen viele Organsysteme

Die Lunge gilt zwar als Eintrittspforte für Schadstoffe aus der Luft, kurz- und langfristige Gesundheitsschäden scheinen jedoch vor allem im Herzkreislaufsystem aufzutreten. mehr »

Kompromissvorschlag wieder zurückgezogen

Kaum verkündet, ist der Kompromiss zur Pflegeausbildung auch schon wieder vom Tisch. Die genauen Gründe sind unklar. mehr »

Für die Union ist Substitution von Ärzten kein Tabu

Nichtärztliche Gesundheitsberufe sollen stärker in die Versorgung eingebunden werden, fordert die Union. Ärztepräsident Montgomery benennt die Fallstricke für solche Pläne. mehr »