Ärzte Zeitung online, 10.04.2014

Brandenburg

Ziele zur Kindergesundheit nur teilweise erreicht

Netzwerke bleiben ohne Effekt für Verletzungsprävention bei Babys und Kleinkindern.

POTSDAM. Eine überwiegend positive Zwischenbilanz des Bündnisses "Gesund Aufwachsen in Brandenburg" zieht Landesgesundheitsministerin Anita Tack (Linke) zehn Jahre nach dem Start der Initiative.

"Die Arbeit des Bündnisses hat wesentlich dazu beigetragen, einige Risiken und Hemmnisse in der gesundheitlichen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu verringern oder sogar zu stoppen", so Tack bei einer Fachtagung zum zehnten Jubiläum des Bündnisses am Mittwoch.

Der Kampf gegen einige gesundheitliche Probleme hätte sich jedoch trotz vielfältigen Engagements leider nicht so entwickelt, wie es wünschenswert sei.

Positiv bewertet das Ministerium, dass die Rate der Kinder mit einem kariesfreien Gebiss in allen Altersgruppen deutlich gestiegen ist. Zugenommen haben auch die in Brandenburg ohnehin hohen Durchimpfungsraten. So wiesen 95 Prozent der Schulanfänger 2012 kompletten Masernschutz auf, 2006 waren es 89,9 Prozent.

Die Impfraten gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten bei Zehntklässlern haben sich ebenfalls verbessert. Unter anderem stieg der Anteil der Schulabgänger mit Grundimmunisierung gegen Tetanus von 72,1 Prozent im Jahr 2006 auf 86,5 Prozent 2012.

Eine positive Entwicklung zeigt sich auch bei der Nutzung der Vorsorgeuntersuchungen. Die Teilnahmeraten an der U6 bis U8 stiegen durchgehend.

Weniger gewaltbedingte Verletzungen

Als weiteren Erfolg betrachtet Tack, dass der Anteil der 15- bis 17-Jährigen, die wegen einer gewaltbedingten Verletzung im Krankenhaus behandelt wurden, sich von 15 auf jetzt sechs Prozent verringert habe.

Als "Erfolgsgeschichte" bezeichnet die Gesundheitsministerin die 18 Netzwerke Gesunde Kinder an 37 Standorten im Flächenland, die junge Familien durch ehrenamtlich tätige Familienpatinnen und -paten für die Dauer von drei Jahren begleiten.

Sie haben jedoch keine messbaren Effekte auf die Unfall- und Gewaltprävention bei Babys und Kleinkindern. 3,4 Prozent der Säuglinge in Brandenburg wurden 2011 wegen Verletzungen im Krankenhaus behandelt, 2006 waren es noch 2,8 Prozent.

Der Anteil der mit Verletzungen im Krankenhaus behandelten Kleinkinder von ein bis vier Jahren stieg im gleichen Zeitraum von 2,3 auf 2,7 Prozent. Hier sieht Tack besonders dringenden Handlungsbedarf.

Immer mehr Kinder mit Haltungsschäden

Ein wachsendes Problem stellen außerdem Bewegungsstörungen und Haltungsschäden dar. So stieg der Anteil der Schulanfänger mit Bewegungsstörungen von 4,0 Prozent 2006 auf 6,6 Prozent 2012. Der Anteil der Zehntklässler mit Haltungsanomalien nahm in dieser Zeit von 9,8 auf 11,6 Prozent zu.

Als weitere Herausforderungen identifizierte das Ministerium die steigenden Raten an emotionalen und sozialen Erkrankungen bei Schulanfängern und den wachsenden Bedarf an Sprachförderung.

Neben den bestehenden Initiativen sollen im Rahmen des Bündnisses demnächst Modellprojekte zum Einsatz von Pflegekräften in brandenburgischen Schulen starten. Geplant ist, dass die "Schulkrankenschwestern" nach finnischem Vorbild direkt vor Ort Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche rund um die Themen Gesundheit und Wohlbefinden sind. (ami)

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