Ärzte Zeitung online, 22.09.2014

Krankenhaus-Keime

Screening der Patienten soll Gefahr bannen

BERLIN. Patienten, die stationär aufgenommen werden, sollen in Zukunft untersucht werden, ob sie gefährliche Keime tragen.

Die Bundesregierung will dazu ein Screening auf den Weg bringen und dies in einem Modellvorhaben testen. Dies geht auf einen Änderungsantrag zum Pflegegesetz zurück, der der "Ärzte Zeitung" vorliegt. CDU- und SPD-Fraktionen haben diesen gemeinsam eingebracht.

Das Screening soll vor allem helfen, multiresistente gramnegative Erreger (MRGN) frühzeitiger zu entdecken. Da alle vier Antibiotika-Gruppen gegen sie nicht wirken, gelten sie als besonders gefährlich. Experten schätzen, dass rund 10.000 Patienten an Infektionen sterben, die sich in Kliniken geholt haben.

Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (Krinko) empfiehlt daher, Patienten bei der Aufnahme ins Krankenhaus systematisch zu untersuchen und bis zum Vorliegen eines negativen Ergebnisses vorsorglich zu isolieren. Die Gesundheitsministerkonferenz hat zudem beschlossen, die Abrechnung des Screenings im ambulanten Bereich über die GKV erfolgen soll.

Das Robert-Koch-Institut und die Kassenärztlichen Vereinigungen sollen das Modellvorhaben umzusetzen. Wo es zuerst starten soll, steht noch nicht fest.

Um ausreichende Fallzahlen zu gewinnenund regionale Unterschiede in der Bevölkerungsstruktur berücksichtigen zu können, kann das Modellvorhaben überregional ausgeweitet werden. (wer)

[23.09.2014, 08:07:38]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Und was ist mit Angehörigen, Besuchern und Mitarbeitern in Klinik und Praxis?
Unter
http://www.springermedizin.de/hygiene-das-sind-immer-die-anderen/5189274.html
habe ich geschrieben:

Selber machen! - Hygiene? Das sind immer "die Anderen"!

„Vor dem Klo und nach dem Essen Händewaschen nicht vergessen“? – Wie hieß das nochmal richtig rum? Oder: Wie steht es eigentlich mit der ganz persönlichen Hygiene von Besuchern und Patienten, die von den Kliniken mehr Investitionen für die Krankenhaus-Hygiene fordern?!

Wie schön, dass sich fast 80 Prozent der Befragten eines repräsentativen Bevölkerungsquerschnitts dafür ausgesprochen haben, dass Kliniken mehr Geld investieren sollten, um ein Höchstmaß an Hygiene zu gewährleisten. Aber was ist eigentlich mit der e i g e n e n Hygiene bei den Besuchern und Patienten, nicht nur bei Ärzten und Mitarbeitern?
Krankenhäuser, Reha-Kliniken, Arztpraxen und medizinische Versorgungszentren (MVZ) werden von Heerscharen potenziell Krankheitskeime tragender Besucherinnen und Besucher bzw. Patienten heimgesucht, die oft nicht mal elementare Hygiene-Regeln beherzigen ("nach dem Klo und vor dem Essen - Händewaschen nicht vergessen").
Ungeduscht und ungewaschen bzw. n i c h t auf gewaschene oder ungewaschene Kleidung, kurz geschnittene Finger- bzw. Fußnägel untersucht, bevölkern sie die Klinikflure, die Cafeteria, das "Büdchen" am Klinikeingang und die Anmeldetresen der Praxen, um dann in die Kernzonen nosokomialer Infektionsrisiken vorzudringen: In die Krankenzimmer, zu ihren kranken Angehörigen, in die Räume der Stationsmitarbeiter, in die Funktionsbereiche und Nasszellen auf der Suche nach Blumenvasen und in die Besuchertoiletten bzw. in die Behandlungszimmer der Haus- und Fachärzte.
Gewöhnlich gut informierte Patienten- und Besucherkreise werden erst n a c h Abschluss ihres Arzt- oder Klinikbesuches sich umfänglich mit kostenlos zur Verfügung gestellten Desinfektionsmitteln allseits bestäuben und imprägnieren. Weil sie die viel beschworene Gefahr ahnen, erst i n n e r h a l b der Klinik- und Praxismauern gefährliche Keime zu erwerben.
Sie würden sich aber vermutlich n i e m a l s fragen, ob sie nicht s e l b s t durch Hundekot und Straßendreck unter ihren Schuhsohlen, eigene Hygienemängel, überlang gestylte Fingernägel, die beim Händewaschen ja nur abblättern würden, oder Haus- und Nutztierhaltung bzw. eigene krankheitsbedingte Infektiositäten zur Problematik nosokomialer Krankenhaus- und Praxisinfektionen beitragen könnten?
Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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publiziert am: 27.6.2014 12:33 Autor: Thomas G. Schätzler Quelle: www.springermedizin.de
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