Ihre Meinung ist gefragt: Machen Sie bei unserer Online-Umfrage mit!

Ärzte Zeitung App, 18.12.2014

Hautkrebs

Evaluation des Screenings lässt auf sich warten

BERLIN. Die Evaluation des gesetzlichen Hautkrebs-Screenings lässt auf sich warten. Ein vom "BQS Institut für Qualität und Patientensicherheit" erarbeiteter Bericht liegt dem Gemeinsamen Bundesausschuss bereits vor, eine Bewertung durch das Gremium gibt es noch nicht.

Im GBA haben derweil die Vorarbeiten für ein gesetzliches Darmkrebs-Screening begonnen. Beschlossen ist ein Screening auf Gebärmutterhalskrebs.

Das Hautkrebs-Screening ist seit 2007 Kassenleistung. Etwa 15 Millionen Versicherte lassen sich binnen zwei Jahren von eigens dafür geschulten Haut- und Hausärzten untersuchen.

Vertreter beider Arztgruppen drängen auf eine Veröffentlichung des Berichts, die eigentlich für das vierte Quartal angekündigt gewesen sei.

Am Nutzen des Screenings bestehen Zweifel. Wie die "FAZ" berichtet, hat sich eine Gruppe von Hautärzten an Gesundheitsminister Gröhe gewandt.

Die Ärzte fordern eine unabhängige wissenschaftliche Überprüfung der Daten aus dem Modellprojekt in Schleswig-Holstein, auf deren Grundlage das gesetzliche Hautkrebs-Screening eingeführt worden ist.

Massen-Screening für lichtbedingte Veränderungen

Dabei handele sich um ein Massen-Screening, mit dem lichtbedingte Veränderungen aufgespürt werden sollen, sagte Dr. Ralph von Kiedrowski vom Präsidium des Berufsverbands Deutscher Dermatologen am Mittwoch der "Ärzte Zeitung".

 Die Deutsche Krebshilfe und die Deutsche Krebsgesellschaft problematisieren zwar die methodisch bedingte hohe Rate falsch positiver Verdachtsbefunde.

In der im April 2014 veröffentlichten S 3-Leitlinie kommen sie gleichwohl zu dem Ergebnis, dass ein Hautkrebs-Screening angeboten werden sollte.

Da diese Erkrankungen inzwischen gut versorgt seien, ließen sich statistische Verbesserungen nur noch schwer darstellen.

Kiedrowski verwies darauf, dass zahlreiche Krankenkassen das Screening auch unter 35-Jährigen und sogar mit nur einjährigem Abstand anböten. Dies sei medizinisch sinnvoll, sagte Kiedrowski.

Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen geht davon aus, dass in Deutschland maligne Melanome früher entdeckt werden als in anderen Ländern.

Zudem sei in keinem anderen Land Europas außer der Schweiz die Hautkrebssterblichkeit geringer als in Deutschland. In den Niederlanden liege sie um 30 Prozent höher als hierzulande, heißt es in einer Publikation des Verbandes.

Vorsorgeuntersuchungen seien sinnvolle Maßnahmen, um Verdachtsmomente frühzeitig zu erkennen und eventuell notwendige Behandlungen einzuleiten, stellte sich auch der Hausärzteverband hinter das Hautkrebs-Screening. (af)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Werden europäische Männer immer unfruchtbarer?

Männern haben immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit erlaubt das nicht – es könnte aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme sein. mehr »

Psychotherapie soll künftig Unifach werden

Ein einheitliches Berufsbild, Studium an der Uni. Die Psychotherapeutenausbildung steht vor umwälzenden Veränderungen. Kritiker vermissen beim Entwurf aber Konkretes zum Thema Weiterbildung. mehr »

Ist die menschliche Entwicklung am Ende?

Über Hunderttausende von Jahren ist der Mensch zu dem geworden, was er heute ist. Und nun? Ein Grimme-Preisträger fragt sich, ob Unsterblichkeit erstrebenswert ist und wohin uns die Evolution führen wird - oder kann der Mensch sie austricksen? mehr »