Ärzte Zeitung online, 30.06.2015

Alkohol bei Jugendlichen

Zahl der Komasäufer geht zurück

Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stellten Ergebnisse einer aktuellen Befragung unter 12- bis 25-Jährigen zum Alkoholkonsum vor.

BERLIN. Das regelmäßige "Komatrinken" geht bei Jungen und jungen Männern zurück. Dies geht aus einer neuen Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hervor: 15,6 Prozent der jungen Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren gaben an, sich seltener als an vier Tagen im Monat in einen Rausch zu trinken.

2008 waren es noch 20,7 Prozent. Bei den 12- bis 17-jährigen Jungen ist der Wert von 7,6 Prozent (2008) auf 4,3 Prozent (2014) gesunken.

Unter den Mädchen und jungen Frauen zeichnet sich keine entsprechende Entwicklung ab - der Anteil der 12- bis 25-jährigen "Koma-Trinkerinnen" liegt seit 2010 bei etwa acht Prozent.

Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, warnte davor, den Alkoholkonsum von Jugendlichen zu bagatellisieren. Alkohol sei nach wie vor das "Suchtmittel Nr. 1" unter Jugendlichen.

BZgA-Leiterin Dr. Heidrun Thaiss verwies darauf, dass 12- bis 17-Jährige heute häufiger auf Alkohol ganz verzichteten: 33 Prozent gaben an, noch nie Bier, Wein oder Spirituosen getrunken zu haben. 2001 waren es lediglich 13 Prozent.

7000 Jugendliche für Alkoholsurvey befragt

Für den BZgA-Alkoholsurvey waren 7000 Jugendliche von Mai bis August 2014 telefonisch befragt worden.

Die Ergebnisse belegten auch, so Thais, dass übermäßiger Konsum von Alkohol keine Frage der Bildung sei und auch nicht gehäufter bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund vorkomme.

"Es sind alle Bildungsschichten vertreten. Und Menschen mit türkischer oder asiatischer Abstammung fallen eher dadurch auf, dass ihr Alkoholkonsum niedriger ist als derjenigen ohne Migrationshintergund", sagte Thaiss.

Die BZgA-Kampagne "Alkohol? Kenn Dein Limit" ist den meisten Befragten ein Begriff und wird von 98 Prozent begrüßt.

Thaiss kündigte an, Aufklärungskampagnen künftig geschlechtsspezifisch ausrichten und unterschiedliche Zugänge wie Werbespots, Gleichaltrige oder soziale Medien nutzen zu wollen. (wer)

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