Ärzte Zeitung online, 15.10.2015

Adipositas

Ein dickes gesellschaftliches Problem

Sieben Prozent der Kinder und fast jeder dritte Erwachsene gilt hierzulande als adipös. Um zu verhindern, dass Deutschland immer dicker wird, rufen Ärzte und Politiker nach neuen Gesetzen.

Von Angela Mißlbeck

Ein dickes gesellschaftliches Problem

Immer mehr Menschen in Deutschland bringen deutlich zu viel Gewicht auf die Waage.

© Axel Bueckert / iStockphoto.com

BERLIN. Immer mehr Menschen in Deutschland bringen deutlich zu viel Gewicht auf die Waage. Rund sieben Prozent der Kinder und 30 Prozent der Erwachsenen in Deutschland gelten derzeit nach Angaben der Deutschen Adipositasgesellschaft (DAG) als adipös.

Damit ist Adipositas kein individuelles Problem, sondern ein gesellschaftliches, meint DAG-Präsident Professor Martin Wabitsch. Der Kinderarzt spricht von einer "adipogenen Umwelt".

Zur Lösung des Problems seien gesellschaftliche Maßnahmen nötig, fordert er. Dazu zählt die DAG auch ein Verbot von an Kinder und Jugendliche gerichtete Werbung für dickmachende Lebensmittel.

Einzelne Politiker zeigen sich dieser Forderung gegenüber bereits aufgeschlossen. So hält der für Adipositas und Diabetes zuständige Gesundheitsexperte der Unionsfraktion im Bundestag, Dietrich Monstadt, gesetzgeberische Maßnahmen für nötig, wenn die Selbstverpflichtung der Industrie nicht wirkt.

Seine Partei sei zwar augenblicklich noch nicht so weit, Gesetzesänderungen zu erwägen. "Aber wir müssen klar erkennen, dass es nicht anders geht", sagte er am Dienstag bei der DAG-Jahrestagung in Berlin.

Monstadt: Kassen haben keine Gesamtstrategie

Monstadt übte zudem scharfe Kritik an den Krankenkassen. Sie hätten zwar vereinzelte Maßnahmen zur Adipositas-Prävention aufgelegt, aber eine Gesamtstrategie vermissen lassen.

Das sei einer der Gründe, warum die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Präventionsgesetz mit mehr Mitteln ausgestattet wurde.

Der selbst betroffene Politiker kritisierte die Krankenkassen auch für ihre Zurückhaltung bei der Kostenübernahme für chirurgische Eingriffe bei Adipositas-Patienten.

Präventionsmanager sollen Ärzte unterstützen

Als "Gehstock auf dem Weg zum Abnehmen" bezeichnete Professor Jürgen Ordemann von der Berliner Uniklinik Charité die Adipositas-Chirurgie.

Es gebe eine klare Evidenz, dass sie eines der wirkungsvollsten Instrumente in der Therapie von Adipositas sei, wenn die Patienten dabei interdisziplinär auch von Internisten und Psychotherapeuten betreut werden.

Konservative Therapieansätze allein seien dagegen für die Betroffenen oft "extrem frustran". Deshalb setzt Tagungspräsidentin Professor Annette Schürmann vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung verstärkt auf Prävention.

Sie hofft, dass das Präventionsgesetz ermöglicht, dass ausgebildete Präventionsmanager die Ärzte bei der Adipositasprävention unterstützen.

[16.10.2015, 09:05:08]
Angelika Severin 
Müssen es immer Gesetzte richten?
Wieviel Verantwortung soll und kann denn jeder Mensch für sich übernehmen ohne dass man bei jedem Problem nach Gesetzen ruft? Das Problem liegt doch nicht in der Werbung und den angebotenen Produkten sondern in der Tatsache begründet dass weder gemeinsames Essen noch Essen an sich in unserer Gesellschaft noch einen Stellenwert hat - außer vielleicht bei denen die sich Bio und Essengehen leisten können. Essen to go kann man jeden Tag in der Fußgängerzone beobachten. Da helfen nur Maßnahmen, die Essen wieder auf die richtige Stelle rückt und das ist mit Gesetzen nicht möglich.  zum Beitrag »

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