Ärzte Zeitung, 18.07.2016

Gewalt gegen Kinder

Wie Prävention gelingt

Der Brandenburger Leitfaden zur Früherkennung ist aktualisiert worden. Auch Pädiater waren an der Konzeption beteiligt.

POTSDAM. 209 Fälle von Kindesmisshandlung sind in Brandenburg vergangenes Jahr polizeibekannt geworden. Im Jahr zuvor waren es 163 Fälle. Jetzt ist der Brandenburger Leitfaden "Früherkennung von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche" vollständig überarbeitet neu erschienen. Daran hat der Brandenburger Landesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) mitgewirkt.

"Um Gewalt gegen Kinder und Jugendliche zu verhindern, muss sie erst einmal erkannt werden", sagt der Brandenburger Verbands-Chef Detlef Reichel. Der Leitfaden biete praktische Hilfestellungen für alle Berufsgruppen, die Kinder und Jugendliche versorgen, und erleichtere fallbezogene und effektive Präventionsmaßnahmen. "Eine große Herausforderung stellen die neuen Gewaltformen Cybermobbing und Bullying dar", meint der Kinderarzt.

Der Leitfaden gibt auch rechtliche Hinweise, was bei Verdacht auf Kindesmisshandlung zu tun ist. Schwerpunkte setzt die aktualisierte Ausgabe auf Gewalt gegen Säuglinge und Gewaltprävention.

"Säuglinge sind bundesweit die Altersgruppe mit den meisten Todesfällen nach gewalttätigen Übergriffen. Damit es möglichst gar nicht erst zu Gewalt kommt, ist Prävention wichtig", sagt Susanne Hertzer, Chefin der Techniker Krankenkasse in Brandenburg, die den Leitfaden ebenso wie das Familien- und Gesundheitsministerium des Landes mitherausgegeben hat.

Der Leitfaden wird bereits seit 2002 immer wieder neu aufgelegt und ist eine Maßnahme des "Bündnisses Gesund Aufwachsen in Brandenburg", in dem mehr als 200 Akteure unter dem Vorsitz von Landesgesundheitsministerin Diana Golze (Linke) zusammengeschlossen sind. (ami)

Der Leitfaden im Internet: http://tinyurl.com/zs72y3o

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »