Ärzte Zeitung, 11.10.2016

Diabetes

Nationale Strategie vor dem Aus?

Die systematische Erfassung der Diabetes-Daten kommt voran. Nach wie vor aber mangelt es an einer Nationalen Strategie, wie der Volkskrankheit besser vorzubeugen wäre.

Von Susanne Werner

Nationale Diabetesstrategie vor dem Aus?

Ein Projekt auf dem Abstellgleis? Seit Ende 2014 ist eine Nationale Diabetesstrategie im Gespräch.

© Minerva Studio / Fotolia.com

BERLIN. Die Verabschiedung einer Nationalen Diabetesstrategie droht offenbar auf halber Strecke zu scheitern. Dietrich Monstadt, CDU-Bundestagesabgeordneter, nutzte jedenfalls das Podium beim Deutschen Kongress für Versorgungsforschung, für einen eindringlichen Appell: "Wenn es nicht gelingt, die Nationale Diabetes-Strategie bis zum Jahresende auf Bundesebene zu verabschieden, wird das Vorhaben auf der langen Bank der Gesundheitspolitik verkümmern."

"Politik hat Auftrag nicht erledigt"

Denn die Bundestagswahl im nächsten Jahr werde kaum Chancen bieten, so Monstadt, das Vorhaben im Konsens zu verabschieden. Deutliche Worte, in die auch Professor Thomas Danne, Ex-Chef der Deutschen Diabetes-Hilfe, einstimmte: "Die Politik hat ihren Auftrag nicht erledigt." Der großen Koalition fehle es offenbar an einer "Initialzündung" für das Thema.

In der Tat schleppt sich das Vorhaben seit einiger Zeit dahin. Seit Ende 2014 wird über eine Nationale Diabetesstrategie gesprochen, verabschiedet wurde sie bislang nicht.

Das Bundesgesundheitsministerium hat sich unterdessen auf zwei unumstrittene Bausteine zur besseren Diabetes-Versorgung konzentriert: So wurde das Robert Koch-Institut beauftragt unter dem Titel "Diabetes-Surveillance" eine fortlaufende, indikatorengestützte Berichterstattung aufzubauen.

45 Indikatoren definiert

Mittlerweile sind 45 Indikatoren definiert und in einem Experten-Workshop bewertet worden. Ziel ist es, alle verfügbaren Daten zusammenzuführen und bis 2019 eine verlässliche Berichterstattung zu Ausbreitung, Behandlung und Prävention zu entwickeln.

Zudem soll die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine nationale Kommunikations- und Aufklärungsstrategie zu Diabetes entwickeln.

Unter den Experten bleibt es dennoch strittig, ob eine aktuelle Datenlage, mehr Aufklärung in Kombination mit dem Präventionsgesetz ausreichen, um die Diabetes-Versorgung zu verbessern.

Professor Holger Pfaff, Versorgungsforscher aus Köln, forderte beispielsweise, die verschiedenen Sozialgesetzbücher in einem "SGB Versorgung" zusammenzulegen. Denn die Versorgung müsse bei der Primärprävention ansetzen und müsse nach der Akutversorgung die Rehabilitation mit einschließen.

Die Versorgungsforschung sei auch zu intensivieren, um die "Übermacht der Biomedizin" einzudämmen.

[11.10.2016, 11:23:34]
Karl-Otmar Stenger 
Erst Lobbyisten abwählen / ausgrenzen
Gegen gesundheitliche Aufklärung ist ja nichts einzuwenden. Es ist nur jetzt schon zu erkennen, dass der Erfolg sehr bescheiden sein wird. Viel wichtiger ist eine Weichenstellung im Rahmen der EU: Bei der Zuckermarktordnung sind die Prioritäten völlig falsch gesetzt, d. h. WTO geht vor WHO. Die EU-Zuckermarktordnung müsste zuerst zu einem Instrument der Gesundheitspolitik gemacht werden, bevor man entscheidende gesundheitliche Erfolge verzeichnen kann. Die WHO warnt seit Anfang 2015, dass derjenige, der > 5% seines Nahrungsmittelkonsums in Form von Zucker zu sich nimmt, früher oder später mit gesundheitlichen Schäden zu rechnen hat. Für > 500 Mio. EU-Bürger müssten < 5 Mio. Tonnen Zucker / Jahr ausreichen. In der Zuckermarktordnung sind aber > 18 Mio. Tonnen Zucker / Jahr mit steigender Tendenz wegen der Marktliberalisierung ab 1.10.2017. Das kann nicht gutgehen! Wird da ein CSU-Landwirtschaftsminister auf EU-Ebene gegen die Interessen von Südzucker Initiative ergreifen? zum Beitrag »

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