Ärzte Zeitung, 15.09.2014

Berlin

HzV ist eine Randerscheinung

Bislang bekommt der Hausärzteverband bei der hausarztzentrierten Versorgung in der Hauptstadt kein Bein auf den Boden. Die KV schießt bei der Bereinigung quer, der vdek klagt.

BERLIN. Hausarztzentrierte Versorgung (HzV) gibt es in Berlin faktisch nur auf dem Papier. In der Umsetzung scheitern die bestehenden Verträge nach Paragraf 73b SGB V mit dem Hausärzteverband Berlin-Brandenburg BDA.

Die HzV in Berlin sei mit derzeit rund 150 teilnehmenden Hausärzten und rund 3500 eingeschrieben Versicherten bei den beiden Verträgen mit AOK Nordost und IKK Berlin und Brandenburg und mit den im vdek vertretenen Ersatzkassen Barmer GEK, DAK, KKH, HEK nicht flächendeckend etabliert, teilte der BDA auf Anfrage der "Ärzte Zeitung" mit.

Der Verband führt das vor allem auf den Umgang der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin mit HzV-Ärzten im AOK/IKK-Vertrag zurück.

Die KV habe im ersten Quartal nach Beginn des Vertrages den teilnehmenden Hausärzten weit mehr von ihrer bisherigen KV-Vergütung abgezogen als die Ärzte über die HzV bekommen haben.

"Diesen rechtswidrigen Schritt hat die KV zwischenzeitlich korrigiert, aber der von ihr gewollte Abschreckungseffekt zeigte bei einer Vielzahl von Hausärzten seine Wirkung", so Verbandschef Dr. Wolfgang Kreischer.

Nach Kreischers Angaben liegt der HzV-Fallwert der Hausärzte mit rund 75 Euro über dem Fallwert der KV. Der Verbandschef kündigte eine erneute Informationsinitiative an, mit der er Hausärzte und Versicherte auf die Vorteile der HzV-Verträge hinweisen will.

"Vorsicht walten lassen"

Der Ersatzkassenverband vdek mahnt indes noch zur Zurückhaltung bei der Teilnahme an dem HzV-Vertrag. Der Kassenverband hat seinen Vertrag beklagt, weil er zu viele Unklarheiten enthalte und zu teuer sei, wie eine Sprecherin der "Ärzte Zeitung" sagte.

"Möglicherweise erkennen die Ärzte die Risiken und sind deshalb noch zurückhaltend", so die vdek-Sprecherin.

Die Klage ist nach vdek-Angaben in erster Instanz vor dem Sozialgericht Berlin anhängig.

"Solange die Klage läuft, ist es angebracht, Vorsicht walten zu lassen, weil die Gefahr besteht, dass Ärzte Rückzahlungen leisten müssen. Darunter kann auch das Vertrauensverhältnis von Arzt und Patient leiden", sagte die Sprecherin weiter.

Dennoch rechnet der Berliner Hausärzteverband mit einer Ausweitung der HzV in Berlin. Ab Oktober wird nach Kreischers Angaben der HzV-Vertrag mit der IKK classic versorgungs- und vergütungswirksam.

Mit der Techniker Krankenkasse komme 2015 eine weitere große Krankenkasse dazu. Damit werde eine Teilnahme von Hausärzten an den HzV-Verträgen aufgrund der größeren Zahl von einschreibfähigen Versicherten in der Praxis attraktiver. (ami)

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