Ärzte Zeitung online, 24.09.2015

Kommentar zur IKK Südwest

Sind neue Hausarztverträge überall sinnvoll?

Von Michael Kuderna

Man kann sich durchaus die Frage stellen, ob weitere Selektivverträge zur hausarztzentrierten Versorgung wirklich noch für die Mehrheit der Hausärzte attraktiv sind. Oder dienen sie vor allem der Abrundung der Macht ihres Verbandes? Diese Fragen kann man sich durchaus stellen, wenn man die neue Frohbotschaft des Vertrags mit der IKK Südwest im Saarland genauer betrachtet.

Unbestritten wurden in der Pionierzeit vor allem in süddeutschen Ländern finanzielle Ressourcen gehoben und auch durch Umverteilung die Stellung von Hausärzten verbessert. Im Saarland - so berichten Fachleute - hat sich aber auch innerhalb des KV-Systems vieles zum Positiven geändert, der große Honorarzuwachs durch Selektivverträge dürfte Wunschdenken bleiben.

Natürlich knabbst auch die erforderliche zusätzliche Software ein Stückchen vom Kuchen ab. Besonders schwer wiegt aber ein anderer Einwand: Wenn nur jeder zweite Hausarzt die Voraussetzungen erfüllt und auch von denen nur ein Teil mitmacht, steht die Mehrheit der eigenen Klientel abseits.

Kein Wunder - vergleicht man die ständigen Klagen über zu viel Bürokratie und Gängelung mit den Qualitätsanforderungen des Vertrags: Teilnahme an vier Qualitätszirkeln pro Jahr und weiteren Fortbildungen, an allen DMP-Programmen, Verpflichtung zur evidenzbasierten Leitlinien-Behandlung, Nachweis geriatrischen Basisassesments, Wartezeitbegrenzungen und Früh-, Abend- oder Samstags-Sprechstunden.

So wird die in manchen Teilen der Republik schon verzweifelte Suche nach niederlassungswilligem Nachwuchs bestimmt nicht leichter.

Ein beträchtlicher Mehrwert für Patienten - aber wohl ein ebenso großer Zusatzaufwand für Hausärzte.

Lesen Sie dazu auch:
Hausarztvertrag: IKK Südwest steigt ein

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »

Kollege Computer, übernehmen Sie!

Eine computer-basierte Verhaltenstherapie kann Insomnie-Patienten den Schlaf zurückgeben. Der Erfolg ist ähnlich gut wie durch menschliche Therapeuten, bescheinigt ein kalifornischer Professor. mehr »

Kein frisches Geld in Sicht

Die umfassende Studien-reform soll zunächst ohne zusätzliches Geld auskommen. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt, wie aus dem vertraulichen Papier hervorgeht. mehr »