Ärzte Zeitung, 22.09.2008

433 niedersächsische Ärzte sollen 24,6 Millionen Euro zurückzahlen

KV Niedersachsen informiert über Regressbescheide für 2006 / Hausärzte am stärksten betroffen / Praxisbesonderheiten schon berücksichtigt

HANNOVER (cben). 433 Niedersächsische Praxen erhalten in dieser Woche Bescheide über eine Gesamtregress-Summe von 24,6 Millionen Euro.

Unter anderen sind 200 Allgemeinärzte und hausärztliche Internisten im Nordwesten betroffen, teilte die KV Niedersachsen mit. Hausärzte dürften damit vielleicht die am stärksten betroffene Gruppe sein.

"Das die Regress-Summe 2006 noch deutlich sinken wird, kann man wahrscheinlich nicht erwarten", sagte KV-Sprecher Detlef Haffke der "Ärzte Zeitung", "denn anders als in früheren Jahren sind bei der jetzigen Summe zum Beispiel die Praxisbesonderheiten bereits berücksichtigt."

Zusätzliche Erschwernis für die betroffenen Kollegen bedeutet eine Änderung des GKV-Wettbewerbstärkungsgesetzes. Danach arbeitet die Prüfstelle für die Regresse nicht mehr mit einem Prüfungsausschuss zusammen, der paritätisch von Kassen- und Ärztevertretern besetzt war und die einzelnen Abrechnungen nach mildernden Umständen durchforstete, und daraufhin der Prüfstelle Vorschläge unterbreiten konnte. Dieser Ausschuss ist durch ein schwächeres Gremium aus Ärzten des medizinischen Dienstes der Krankenkassen und KV-Ärzten ersetzt worden.

Wie in den vergangenen Jahren auch, begleite die KV Niedersachsen die betroffenen Mitglieder mit einem Beratungsangebot, erklärte Haffke. Die Kollegen werden von den jeweils zuständigen KV-Bezirksstellen angeschrieben mit dem Angebot die Daten-CDs zu prüfen.

"Die Datenprüfung ist das Non-plus-Ultra in dieser Situation", sagte Haffke, "auf den CDs können sich immer fehlerhafte Verordnungen eingeschlichen haben." Warum die Regress-Summe so hoch liegt, sei schwer zu sagen, erklärte Haffke, "Genaueres wissen wir erst nach Prüfung der Daten-CDs."

Erst im April dieses Jahres sind für das Jahr 2001 Regresse in Höhe von 4,3 Millionen Euro wirksam geworden und mussten von der Kassenärztlichen Vereinigung einbehalten werden. Derzeit klagen mehr als 90 Ärzte gegen die Kürzungen.

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