Ärzte Zeitung online, 21.10.2008

Hospiz Stiftung lobt neues Stufen-Konzept für Patientenverfügungen

BERLIN (dpa). Die Deutsche Hospiz Stiftung hat den neuen Gesetzesvorschlag zu Patientenverfügungen begrüßt. "Er ist ein großer Schritt in die richtige Richtung", sagte Vorstand Eugen Brysch in Berlin. "Besonders positiv ist, dass Beratungsgesprächen ein hoher Stellenwert eingeräumt wird."

Am heutigen Dienstag wollen Unionsfraktions-Vize Wolfgang Bosbach (CDU), die Grünen-Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt und SPD-Fraktionsmitglied René Röspel den Entwurf in Berlin vorstellen.

Der Vorschlag steht in Konkurrenz zu einem anderen Gruppenantrag und unterscheidet für den Grad der Verbindlichkeit nach der Art der Beratung der Patienten. In Patientenverfügungen können Menschen unter anderem anordnen, in welchen Fällen sie keine Behandlung mehr wollen.

Nach Bryschs Worten kennen viele Menschen die medizinischen Angebote gar nicht. "Erst nach gründlicher Aufklärung sind sie in der Lage, einen differenzierten Willen zu bilden und so wirklich selbstbestimmt zu entscheiden." Ein Gesetz sei nötig. Die Hospiz Stiftung versteht sich als Patientenschutzorganisation für Schwerstkranke und Sterbende.

Update 21. Oktober 2008, 10.50 Uhr

Patientenverfügungen können Angehörigen nach Ansicht der Deutschen Hospiz Stiftung im Fall von Koma oder Demenz die verbreitete Orientierungslosigkeit nehmen. "Gesunden würde ich raten, schon heute eine Patientenverfügung zu schreiben und mit einer Vorsorgevollmacht zu kombinieren, um Angehörige und Ärzte nicht in ein Dilemma zu stürzen", sagte Brysch der dpa in Berlin. Brysch lobte im Grundsatz einen Gesetzesvorstoß einer Gruppe von Abgeordneten um Wolfgang Bosbach (CDU) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne) für klare Regelungen zu solchen Verfügungen und forderte eine schnelle Umsetzung.

Menschen können für den Fall von Demenz oder Koma festlegen, wann sie keine Behandlung mehr wollen

In einer Patientenverfügung können Menschen für den Fall von Demenz, Koma, mehrfachem Organversagen oder schweren Hirnschädigungen festlegen, wann sie keine Behandlung mehr wollen. In einer Vorsorgevollmacht benennen sie Personen ihres Vertrauens, die ihrem Willen beim Arzt Nachdruck verleihen, wenn sie sich selbst nicht mehr äußern können.

Am stärksten betroffen seien Patienten in Pflegeheimen, erläuterte Brysch. Oft riefen Ärzte heute Vormundschaftsrichter an, wenn sie vor der Entscheidung stünden, zum Beispiel künstliche Ernährung einzustellen.

Das Dilemma besteht darin, den mutmaßlichen Willen der Patienten zu ermitteln, wenn es keine Patientenverfügung gibt

"Das Dilemma besteht darin, den mutmaßlichen Willen der Patienten zu ermitteln, wenn sie keine Patientenverfügung oder eine nicht hinreichend konkrete geschrieben haben", erläuterte Brysch. Interpretationsspielräume könnten vermindert werden. Unter den 820 000 Sterbenden im Jahr nehme der Anteil von Menschen, die sich vorher etwa wegen Demenz nicht äußern könnten, ständig zu. Deshalb herrsche beim anstehenden Gesetzgebungsverfahren Eile.

Brysch lobte, dass sich die Menschen den Vorstellungen der Parlamentarier zufolge vorher gut beim Arzt informieren müssen über die Krankheiten, in denen eine Verfügung zum Tragen kommt, und die Arten von künstlicher Ernährung oder anderen Maßnahmen. Diese Gespräche seien auch geeignet, die Angst vor solchen Fällen zu vermindern. Im Detail müsse das Konzept der Gruppe um Bosbach aber noch nachgebessert werden. So solle kein Notar nötig sein, um so eine Verfügung zu schreiben, forderte Brysch.

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