Ärzte Zeitung online, 18.11.2008

Kirche fordert schnelles Verbot kommerzieller Sterbehilfe

HANNOVER (dpa). In der Diskussion um Sterbehilfe hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ein zügiges Verbot kommerzieller Anbieter verlangt. Geschäftsmäßigen Organisationen müsse die Politik möglichst bald einen rechtlichen Riegel vorschieben, erklärte die EKD in einem am Dienstag veröffentlichten Grundsatzpapier.

Es gelte einer Situation vorzubeugen, die die Entstehung von Sterbehilfeorganisationen nach Schweizer Muster begünstige. Beihilfe zur Selbsttötung dürfe nicht zu einer käuflichen Dienstleistung werden.

Außerdem lehnt die Kirche eine Verankerung der ärztlichen Beihilfe zur Selbsttötung im Recht ab. Die Selbsttötung rücke sonst in die Nähe einer "normalen Option" am Lebensende und die Haltung der Menschen zu Leben und Tod könne sich dadurch grundlegend ändern. Es sei nicht auszuschließen, dass daraus ein Druck entstehe, diese Option zu wählen, um Angehörigen die Belastung einer langwierigen Pflege bei schwerer Krankheit zu ersparen.

Der Umgang von Ärzten mit der Sterbehilfe bleibe eine Gratwanderung und eine Gewissensentscheidung, erklärte die EKD. Mediziner hätten dabei in jedem Einzelfall einen Verantwortungs- und Entscheidungsspielraum. Eine über den Einzelfall hinausgehende Regelung habe eine negative Signalwirkung für die Gesellschaft und das ärztliche Berufsethos. Das bliebe nicht ohne Auswirkungen auf das gesellschaftliche Verständnis von Leben und Sterben. Der ärztliche Umgang mit dem Sterben sei ein Beispiel dafür, dass es Bereiche gebe, die sich rechtlich nicht regeln ließen, ohne dass damit ungewollte gesellschaftliche Veränderungen bewirkt würden, so die Kirche.

In schwerwiegenden Konfliktlagen sei die Justiz gefordert, der Notlage von Ärzten und schwerstkranken Patienten Rechnung zu tragen, erklärte die EKD. Hier komme es auf die Abwägung und die besonderen Umstände in jedem Einzelfall an. Der Arzt behalte seine große Verantwortung und müsse damit rechnen, sich dafür unter Umständen rechtlich verantworten zu müssen.

www.ekd.de

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