Ärzte Zeitung online, 09.02.2009

Italien: Streit um Sterbehilfe für Koma-Patientin spitzt sich weiter zu

ROM (dpa). Der Streit um die bereits eingeleitete Sterbehilfe Italienerin Eluana Englaro spitzt sich zu. Die Regierung Silvio Berlusconi bot Staatspräsident Giorgio Napolitano offen die Stirn: Sie wollte noch am Montagabend im Eiltempo einen Gesetzesentwurf durch den Senat pauken, um ihren Tod zu verhindern.

Napolitano hatte sich am Freitag geweigert, ein Dekret der Regierung zu billigen, die damit den Sterbehilfeprozess in letzter Minute stoppen sollte. Die Frau liegt seit 17 Jahren im Wachkoma.

Ministerpräsident Berlusconi brachte daraufhin noch am selben Abend einen Gesetzesentwurf zur Sterbehilfe aufs Tapet, der jetzt so schnell wie möglich Gesetz werden soll - "um Eluana zu retten", wie die Regierung erklärte. Berlusconi hofft, dass das Gesetz spätestens bis zum Donnerstag auch von der Abgeordnetenkammer verabschiedet wird. Ob das Parlament den Entwurf billigen wird, war unklar. Zwar hat die Regierung Mehrheiten in beiden Kammern. Aber unter den Parlamentariern gibt es nicht nur bei der Opposition Unmut über Berlusconis Vorgehen.

Oppositionschef Walter Veltroni sprach am Montag von einem "beispiellosen Angriff auf die Verfassung". Der Medienmogul und Ministerpräsident wies diese Kritik zurück: "Ich habe auf die Verfassung geschworen, aber man kann sie ändern."    

Die Koma-Patientin war vorige Woche aus einer Klinik in ein Altersheim in Udine gebracht worden. Dort war der Sterbehilfeprozess am Freitag eingeleitet worden. Sollten die Geräte der 38-Jährigen nicht wieder angeschaltet werden, könnte sie im Laufe der nächsten zwei Wochen sterben, prognostizierten Mediziner am Sonntag.

Eluana war 1992 nach einem Autounfall ins Koma gefallen. Ihr Vater hatte jahrelang vergeblich darum gekämpft, die künstliche Ernährung seiner Tochter zu stoppen. Vor allem der Vatikan hatte immer wieder dagegen protestiert. Im vorigen November hatte das oberste italienische Berufungsgericht in letzter Instanz bestätigt, dass die künstliche Ernährung der Frau eingestellt werden könne.

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