Ärzte Zeitung online, 27.03.2009

Italienischer Senat verabschiedet Gesetzentwurf zur Sterbehilfe

ROM (dpa). Nach dem erbitterten Streit um den Tod der Koma-Patientin Eluana Englaro hat das italienische Parlament ein weiteres Gesetz auf den Weg gebracht, das den Umgang mit Sterbehilfe regeln soll. Aktive und passive Sterbehilfe sind in Italien bereits verboten.

Laut dem am Donnerstag vom Senat verabschiedeten Gesetzentwurf soll es in Zukunft auch verboten sein, lebenserhaltende Maßnahmen wie die Zufuhr von Nahrung und Flüssigkeit zu unterbrechen, wie italienische Medien berichteten. Das Gesetz muss auch noch von der Abgeordnetenkammer verabschiedet werden.

Eluana Englaro war im Februar 2009 nach 17 Jahren im Wachkoma in einem Altersheim in Udine gestorben. Vier Tage zuvor war in einer Sterbehilfe-Prozedur schrittweise ihre Ernährung und Flüssigkeitszufuhr unterbrochen worden. Bis zuletzt hatte um ihre Sterbehilfe ein erbitterter Streit getobt.

Englaros Vater hatte nach jahrelangem Kampf um die Sterbehilfe für seine Tochter eine gerichtliche Erlaubnis für den umstrittenen Schritt in letzter Instanz erhalten. Trotzdem versuchte die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi noch in letzter Minute, die Unterbrechung der künstlichen Ernährung per Dekret zu verhindern. Auch vonseiten des Vatikans war schärfste Kritik an dem Vorgehen geäußert worden. Gegen Vater Englaro und weitere 14 Personen wird nun wegen Totschlags ermittelt.

Der Onkologe und Senator der Demokratischen Oppositionspartei PD, Umberto Veronesi, hatte bereits im Vorfeld der Abstimmung im Senat angekündigt, eine Volksabstimmung gegen das Gesetz zu starten. Ärzteverbände kritisierten, dass das Verbot der Unterbrechung lebenserhaltender Maßnahmen gravierende Auswirkungen für Sterbenskranke, vor allem für Krebspatienten habe.

Lesen Sie dazu auch:
Ermittlungen wegen Totschlags nach Sterbehilfe in Italien

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