Ärzte Zeitung online, 09.04.2009

Hospizstiftung warnt vor Grauzonen bei Sterbehilfe

BERLIN/LAUSANNE (dpa). Nach einem Urteil gegen die Schweizer Sterbehilfeorganisation "Dignitas" warnt die Deutsche Hospiz Stiftung vor rechtlichen Grauzonen. "Wer Verhältnisse wie in der Schweiz verhindern will, muss die geschäftsmäßige, das heißt die wiederholte Suizidbeihilfe unter Strafe stellen", erklärte der Geschäftsführer der Patientenschutzorganisation, Eugen Brysch, am Donnerstag in Berlin.

Ein bloßes Verbot der "gewerblichen" Sterbehilfe - wie in einigen Bundesländern - reiche nicht aus.Das Schweizer Bundesgericht in Lausanne hatte am 1. April entschieden, dass "Dignitas" das tödliche Mittel Natrium-Pentobarbital nicht direkt beziehen und lagern darf. Die Richter begründeten dies unter anderem mit der Gefahr von Unregelmäßigkeiten im Umgang mit der Substanz, da nicht sicher sei, ob Dignitas über ausreichend qualifiziertes medizinisches Fachpersonal verfüge. Zudem wiesen sie auf die noch laufende politische Debatte über die Aktivitäten von Dignitas hin. Die Schweizer Sterbehilfe-Organisation hatte Natrium-Pentobarbital als anerkannt wirksames Mittel für den schmerzlosen Freitod eingesetzt. In Deutschland ist das Mittel legal nicht zu haben.

Brysch wertete die Gerichtsentscheidung als herben Rückschlag für die Organisation: "Bei Dignitas arbeiten Dilettanten, die Menschen in kargen Wohnungen oder gar auf Parkplätzen beim Suizid unterstützen." Der Verdacht auf Bereicherung liege nahe. Die Deutsche Hospiz Stiftung bezeichnet sich als Sprecherin der Schwerstkranken und Sterbenden und hat nach eigenen Angaben 55 000 Mitglieder und Förderer.

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