Ärzte Zeitung online, 22.05.2009

Sterbehilfe für Koma-Patientin in Korea bewilligt

SEOUL (dpa). Der Oberste Gerichtshof in Südkorea hat in letzter Instanz Sterbehilfe-Maßnahmen für eine im Koma liegende Patientin bewilligt. Das Gericht ordnete am Donnerstag an, die lebenserhaltenden Geräte an einer 76-jährigen Frau auf Wunsch ihrer Familie abzuschalten.

In Fällen wie diesem wäre eine Fortsetzung der medizinischen Behandlung sinnlos und würde eine Verletzung der Würde und des Werts des Menschen darstellen, befand das Gericht. Eine Willensäußerung der Patientin, die nach einem Hirnschaden im Februar des vergangenen Jahres ins Koma gefallen war, lag nicht vor.

Das Gericht bestätigte die Entscheidungen der ersten und zweiten Instanz. Im vergangenen November hatte erstmals ein Gericht in dem ostasiatischen Land passive Sterbehilfe für einen Patienten für zulässig befunden. Im Februar war dann die Berufung des Severance-Krankenhauses in Seoul abgewiesen worden, in dem die komatöse Frau behandelt wurde. Eine Befürwortung der verbotenen aktiven Sterbehilfe schlossen die Urteile jeweils nicht ein.

Die Familie der Patientin hatte eine Klage auf Sterbehilfe eingereicht, nachdem sich die behandelnden Ärzte geweigert hatten, sie sterben zu lassen. Die Kinder hatten argumentiert, dass ihre Mutter schon immer dagegen gewesen sei, schwer kranke Menschen ohne Überlebenschance mit Hilfe von Maschinen am Leben zu erhalten.

"Ob die künstliche Lebenserhaltung und Ernährung für komatöse Patienten fortgesetzt wird, sollte sorgfältig erwogen werden", mahnte der Vorsitzende Richter am Donnerstag. Im vorliegenden Fall sei es jedoch deutlich, dass die Frau bald sterben werde und man deshalb bereits von der Todesphase sprechen könne.

Das Krankenhaus der Nationaluniversität in Seoul hatte erst Anfang dieser Woche erklärt, es beachte die Verfügung von todkranken Patienten, die keine lebenserhaltenden Maßnahmen mehr wollen.

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