Ärzte Zeitung online, 02.07.2009

Schwiegersohn stellt Geräte ab - 72-Jährige tot

KÖLN (dpa). In einem Kölner Krankenhaus hat ein 44 Jahre alter Mann versucht, die Patientenverfügung seiner schwer kranken 72-jährigen Schwiegermutter durchzusetzen. Er habe die Beatmungsgeräte der Frau auf der Intensivstation abgeschaltet, sagte die Polizei am Mittwoch auf Anfrage. Das Pflegepersonal habe den Mann daraufhin überwältigt und die Geräte wieder eingeschaltet. Drei Stunden später sei die Frau gestorben.

Ob das Ausschalten tatsächlich der Grund für den späteren Tod der Frau war, sei nicht geklärt, sagte ein Polizeisprecher. Die Staatsanwaltschaft ermittele wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts.

Nach Informationen des "Express" (Donnerstag) kommt möglicherweise der Tatbestand der Tötung auf Verlangen infrage. Der Zeitung zufolge war die Seniorin am vergangenen Freitag in das Krankenhaus eingeliefert worden. Die Diagnose hätte auf Lungenentzündung und Schwäche gelautet. Die Frau sei auf die Intensivstation verlegt worden. Am Montagabend habe der Schwiegersohn die Frau besucht. Die Dienst habende Ärztin habe dem Besucher gesagt, der Schwiegermutter gehe es schlecht, ohne Beatmungsgeräte sei der Tod nahe. Der Mann verwies auf eine Patientenverfügung, die seine Schwiegermutter ausgefüllt habe, und ließ sich diese von seiner Frau von zu Hause faxen.

Die Ärzte hätten aber entschieden, die lebenserhaltenden Maßnahmen nicht zu unterbrechen, berichtet die Zeitung weiter. Der Mann sei daraufhin an das Krankenbett gestürmt und habe alle Geräte in seiner Reichweite ausgeschaltet. Dann sei er vom Pflegepersonal überwältigt worden, das die Geräte wieder einschaltete und die Polizei verständigte. Der Mann wurde vorläufig festgenommen. Nach Angaben des Polizeisprechers befindet er sich wieder auf freiem Fuß.

Lesen Sie dazu auch:
Patientenverfügung - ein Fall für den Hausarzt
Gesetz zu Patientenverfügungen bringt Ärzten neue Probleme
Bundestag schafft Rechtssicherheit bei Patientenverfügungen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Sind Computer bald die besseren Therapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »

Kollege Computer, übernehmen Sie!

Eine computer-basierte Verhaltenstherapie kann Insomnie-Patienten den Schlaf zurückgeben. Der Erfolg ist ähnlich gut wie durch menschliche Therapeuten, bescheinigt ein kalifornischer Professor. mehr »

Kein frisches Geld in Sicht

Die umfassende Studien-reform soll zunächst ohne zusätzliches Geld auskommen. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt, wie aus dem vertraulichen Papier hervorgeht. mehr »