Ärzte Zeitung online, 03.08.2010

Studie zeigt große Defizite bei Versorgung Sterbenskranker

BERLIN (hom). Von einer flächendeckend funktionierenden ambulanten Begleitung sterbenskranker Menschen ist Deutschland noch weit entfernt. Dies legt eine aktuelle Studie zur Organisation und Praxis von Sterbebegleitungen in der ambulanten Hospizarbeit nahe, die der "Ärzte Zeitung" vorliegt.

Studie zeigt große Defizite bei Versorgung Sterbenskranker

Die Mehrzahl der Bürger wünscht sich ein würdevolles Sterben in den eigenen vier Wänden, doch von einer flächendeckenden ambulanten Begleitung Strebender ist Deutschland noch weit entfernt.

© Dean Pictures / imago

Je nachdem in welcher Region man sterbe und welche Unterstützung man durch die ambulante Hospiz- und Palliativarbeit erfahre, stirbt man in Deutschland anders, heißt es in der Untersuchung, die in Kooperation und mit Unterstützung des Deutschen Hospiz- und Palliativverbands (DHPV) und der Deutschen Krebshilfe an der Universität Augsburg von einem Team des Soziologen Professor Werner Schneider erstellt worden ist.

Der bundesdeutsche Vergleich zeige deutlich erkennbare Unterschiede in der Betreuung sterbenskranker Menschen insbesondere zwischen ländlichen und städtischen Regionen, so Studienautor Schneider. Diese Unterschiede führten dazu, dass die Wahrscheinlichkeit, zu Hause zu sterben, auf dem Land weitaus geringer sei als in der Stadt.

Die Vorsitzende des Hospiz- und Palliativverbands, Dr. Birgit Weihrauch, forderte nach der Bekanntgabe der Studienergebnisse den Ausbau der ambulanten Hospiz- und Palliativarbeit in Deutschland. Etwa 95 Prozent aller Bundesbürger äußerten in Umfragen den Wunsch, zu Hause sterben zu wollen, so die Expertin. Tatsächlich würden aber noch immer etwa 70 Prozent aller sterbenskranken Menschen in Krankenhäusern und Pflegeheimen sterben.

Die gesetzlichen Krankenkassen sind seit April 2007 dazu verpflichtet, eine flächendeckende Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) anzubieten. Entsprechende Verträge werden aber bislang nur zögernd abgeschlossen. Betroffene müssen ihren Rechtsanspruch auf SAPV häufig einklagen.

Weihrauch und Schneider riefen dazu auf, die Öffentlichkeitsarbeit für die ambulante Sterbebegleitung zu intensivieren. Dabei seien insbesondere Ärzte in den Blick zu nehmen. Sie seien so etwas wie Türöffner für die Hospizdienste, da sie Patienten und Angehörige über Hospiz- und Palliativarbeit aufklären und eine Kontaktaufnahme empfehlen könnten.

Ziel ambulanter Hospiz- und Palliativarbeit ist ein Sterben zu Hause. Obwohl sich ein überwiegender Anteil der Bevölkerung ein Sterben in der vertrauten häuslichen Umgebung wünscht, würden nur die wenigsten Patienten und die wenigsten ihrer Angehörigen von dieser Möglichkeit wissen, so Palliativ-Experte Schneider. Die meisten Bundesbürger hätten eher diffuse Vorstellungen davon, was ein Hospiz eigentlich ist und was die Mitarbeiter von ambulanten Palliativdiensten anbieten können.

Der Begriff Hospiz werde in der Bevölkerung oft mit in Kürze sterben gleichgesetzt. Daher würden Angehörige häufig erst Kontakt mit einem Hospizdienst aufnehmen, wenn der Betroffene bereits im Sterben liege. Dann freilich können sich die Hospiz-Mitarbeiterinnen aber nicht mehr so gut auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen einstellen", gab Schneider zu bedenken.

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