Ärzte Zeitung online, 28.12.2010

Deutsche Hospiz Stiftung warnt vor offener Tür für die gewerbsmäßige Suizidvermittlung

KÖLN (iss). Die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung wendet sich gegen ein Zulassen der ärztlichen Sterbehilfe im ärztlichen Standesrecht. Eine solcher Schritt würde dem Missbrauch Tür und Tor öffnen, warnt der Geschäftführende Vorstand der Hospiz Stiftung Eugen Brysch.

Bundesärztekammerpräsident Professor Jörg-Dietrich Hoppe hatte eine Aufhebung des bisherigen Verbots der ärztlichen Beihilfe zum Suizid angekündigt. Das sei nötig, um den aktuellen Widerspruch zwischen Strafrecht und Berufsrecht aufzulösen, argumentiert Hoppe (wir berichteten). Nach dem Strafrecht ist der ärztlich begleitete Suizid nicht strafbar, nach dem Berufsrecht aber als unethisch verboten.

"Es ist nicht alles erlaubt, was durch das Strafrecht nicht verboten ist", sagt dagegen Brysch. Für eine Änderung des Berufsrechts sieht er keine Veranlassung. Schließlich sei in den vergangenen 40 Jahren kein Arzt wegen der Beihilfe zum Suizid strafrechtlich belangt worden. "Es geht um eine Scheindiskussion", kritisiert er.

Die Abkehr Hoppes von der bisherigen Position der Bundesärztekammer, dass Ärzte nicht bei Tötungen mitwirken dürfen, ist für Brysch nicht nachvollziehbar. "Die jetzt gewünschte Öffnungsklausel für das Berufsrecht geht in die vollkommen falsche Richtung."

Mit der Änderung des ärztlichen Berufsrechts könnte der gewerbsmäßigen Suizidvermittlung in Deutschland der Weg gebahnt werden, kritisiert er. Das zeige das Beispiel der Schweiz. Auch dort sei das ärztliche Berufsrecht dem Strafrecht angepasst worden. Danach hätten sich Ärzte gefunden, die in der Suizidvermittlung aktiv wurden, beispielsweise Ruheständler. Der Zugang der Ärzte zu Betäubungsmitteln, die Straflosigkeit und das Fehlen einer gesetzlichen Regelung zum gewerbsmäßigen Suizid hätten den professionellen Organisationen ihr Wirken ermöglicht. "Die Gefahr besteht auch in Deutschland, und Hoppe müsste das wissen", sagt Brysch.

Er fordert die Bundesregierung auf, die gewerbsmäßige Vermittlung des Suizids unter Strafe zu stellen, wie es der Koalitionsvertrag vorsehe. Leider sei in den vergangenen Monaten auf diesem Feld nichts passiert. "Es kann nicht sein, dass durch die gut gemeinten Diskussionsbeiträge von Hoppe Suizid-Organisationen nach Schweizer Vorbild mit ihren ärztlichen Tötungshelfern ein neues Geschäftsfeld eröffnen."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Selbst Ärzte schätzen Wirksamkeit falsch ein

Sogar Hautärzte unterschätzen die Schutzwirkung von Sonnencremes, wenn diese ungünstig dargestellt wird, d. h. nicht mit LSF. Dabei kann eine einfache Faustregel helfen. mehr »

Pflegeberufe müssen attraktiver werden

Alterung der Gesellschaft, wachsende Zahl der Pflegebedürftigen und Zunahme der Pflegepersonalbelastung: Auf ihrer Konferenz suchen die Gesundheitsminister derzeit nach Antworten auf diese Probleme. Dabei geht es auch um die Attraktivität des Pflegeberufes. mehr »

Es bleibt der Wunsch nach besseren Daten

Welche Kriterien sollen für die Nutzenbewertung der individuellen Krebstherapie gelten? Wird das Gesundheitssystem überfordert? Eine Debatte beim Hauptstadtkongress. mehr »