Ärzte Zeitung online, 30.12.2010

Streit in der Ärztekammer über Suizid-Beihilfe

BERLIN (dpa). Der Vorsitzende der Ärzteorganisation Marburger Bund, Rudolf Henke, hat der Ankündigung der Bundesärztekammer widersprochen, das Berufsrecht beim Thema Sterbehilfe zu liberalisieren. "Ich bin bei dem Thema entschieden gegen einen Kurswechsel und auch dagegen, dass wir den Eindruck eines Kurswechsels erwecken."

"Ich bin dafür, die bisherigen Formulierungen im Berufsrecht zur Ablehnung des ärztlich assistierten Suizids beizubehalten", sagte Henke der Zeitung "Die Welt" (Freitagsausgabe). Henke ist auch im Vorstand der Bundesärztekammer.

Bundesärztekammer-Präsident Professor Jörg-Dietrich Hoppe hatte erklärt, es könne nicht länger daran festgehalten werden, dass die Beihilfe zum Suizid nach ärztlichem Standesrecht als unethisch verboten sei, während sie nach dem Strafrecht nicht verfolgt werde. Im Entwurf für die neuen Grundsätze zur ärztlichen Sterbebegleitung werde zwar klargestellt, dass Beihilfe zum Suizid nicht zu den ärztlichen Aufgaben gehöre. Sie solle aber möglich sein, wenn der Arzt dies mit seinem Gewissen vereinbaren könne.

Henke, dessen Marburger Bund die angestellten und beamteten Ärzte vertritt, sagte, zwar könne man diskutieren, "ob wir Präzisierungen benötigen, die verunsicherten Kollegen verdeutlichen, dass es nicht gegen das Berufsrecht verstößt, lebensverlängernde Maßnahmen in Übereinstimmung mit dem Patientenwillen zu beenden".

Doch außerhalb solcher Sterbebegleitung und Umsetzung des Patientenwillens dürfe es keine Änderung des bisherigen Kurses geben, wonach es nicht mit dem Mediziner-Ethos und -Berufsrecht vereinbar ist, einem Patienten tödliche Medikamente für die Selbsttötung zur Verfügung zu stellen. "Ich lehne Formulierungen ab, mit denen das Verbot der ärztlichen Suizid-Beihilfe gelockert würde. Wir brauchen hier klare Grenzziehungen", sagte Henke.

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