Ärzte Zeitung App, 16.10.2014

Hessen

Kammerpräsident gegen assistierten Suizid

FRANKFURT. Der Präsident der Landesärztekammer Dr. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach hat entschieden gegen in der Sterbehilfedebatte diskutierte Vorschläge protestiert, Ärzten gesetzlich die Möglichkeit zu geben, Beihilfe zur Selbsttötung zu leisten.

"Unsere Aufgabe ist es, den Patienten zu helfen. Die vermeintliche letzte Hilfe durch ein todbringendes Medikament gehört definitiv nicht dazu", unterstreicht der Kammerpräsident.

In dem Bestreben, Tötung auf Verlangen zu legalisieren, bürdeten die Befürworter des assistierten Suizids Ärzten die Verantwortung auf und ließen sie - "wie auch immer eine bürgerliche Gesetzgebung aussehen möge" - mit der Schuldfrage allein, kritisierte von Knoblauch zu Hatzbach. (eb)

[21.10.2014, 19:55:27]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
@Lutz Barth, bla bla, ad hominem bla, bla, schlechter Diskussionsstil
" .... zwischenzeitlich die ärztliche Ethik einen Wandel erfahren hat ...."

Sie mein sicher den Wandel der Gesellschaft bezüglich der Instrumentalisierung von Ärzten,
nicht nur zur Bewahrung von Leben sondern auch zu aktiven Beendigung von Leben???
Dafür werden Sie dann wieder gebremst von der Gesellschaft bei der Entstehung neuen Lebens aktive Hilfe zu leisten, angeblich "zum Schutz" der Embryos müssen Sie getötet werden.
Tendenz der Gesellschaft also in der Richtung gegen Leben?

Und die Ärzte selbst sollen den Mund halten?

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[16.10.2014, 18:03:36]
Lutz Barth 
Sterbehilfediskurs - kein "Stoff für Ärztefunktionäre"!
Nun – der Ärztekammerpräsident darf – wie jeder Andere auch – seine individuelle Gewissensentscheidung äußern. Indes irrt er, wenn er (so wie im Übrigen BÄK-Präsident Montgomery auch) meint, „die vermeintliche "letzte Hilfe" durch ein todbringendes Medikament gehört definitiv nicht dazu".

Hier verkennt der Ärztekammerpräsident, dass zwischenzeitlich die ärztliche Ethik einen Wandel erfahren hat, wie sich nicht zuletzt in der Einstellung der Ärzteschaft zur Liberalisierung der Sterbehilferegelungen (auch) im ärztlichen Berufsrecht ablesen lässt, mal ganz davon abgesehen, dass renommierte Medizinethiker aus den eigenen Reihen für eine strikte Regelung mit Blick auf die Möglichkeit der ärztlichen Suizidassistenz votieren und letztlich auch gut begründen.

Angesichts der hohen Bedeutung der Freiheitsrechte im 21. Jahrhundert dürfte es zu „platt“ sein, an Hippokrates und/oder Hufeland erinnern zu wollen und zwar gerade auch in Kenntnis dessen, dass die Arztethik wesentliche Impulse von anderen Fachdisziplinen, u.a. der Rechtswissenschaften, erhalten hat. Überdies ist es wohl dem Mainstream geschuldet, dass auch Knoblauch zu Hatzbach von „Tötung auf Verlangen“ spricht; hier bedient er sich allgemeiner Klischees und macht sich noch nicht einmal mehr die Mühe, strikt zwischen Tötung auf Verlangen und Beihilfe zu differenzieren.

Mit Verlaub: Der „bioethische Hochdiskurs“ über die Liberalsierung der Suizidbeihilfe durch die Mitwirkung von Ärzten zeichnet sich vor allem durch die Unwissenheit der jeweiligen Diskutanten aus und es wird zunehmend unerträglich, mit welcher Ignoranz gerade Ärztefunktionäre es vermeiden, sich mit entsprechenden Sachargumenten auseinanderzusetzen.


Ich wage einfach mal die These, dass es nicht jedem Funktionär gegeben ist, die durchaus komplizierte Verfassungsrechtslage auch nur ansatzweise zu überblicken, geschweige denn hieraus die gebotenen und notwendigen Schlüsse aufgrund einer sorgfältigen Analyse zu ziehen. Verfassungsrecht verkommt nicht zur „Philosophie“, sondern auch als Vorlage für „ethische Sonntagsreden“, in dem man/frau sich ganz artig der „Würde des Menschen“ bedient und alle beteuern, „nur“ das Beste für die schwersterkrankten und sterbenden Patienten zu wollen.


Abermals mit Verlaub: Einige allzu eifrige Diskutanten sollten sich schämen, auf diesem „Niveau“ eine Debatte zu führen, in der es um ganz zentrale Verfassungswerte und subjektive Grundrechte geht.

Nun mag es angehen, dass die verfasste Ärzteschaft es klaglos hinnimmt, dass im Rahmen eines pseudodemokratischen Prozesses ihre ureigene Gewissensfreiheit auf null reduziert wird, obgleich es einer gesetzlichen Regelung bedurft hätte, die selbstverständlich nicht durch eine „Kammernorm“ ersetzt werden kann, zumal der Gesetzgeber den Kern der Freiheit des Gewissens als vorbehaltlos gewährleistetes Grundrecht hätte wahren müssen.

Der freiheitsliebende – auch vielleicht im Sterben liegende – Mensch möchte offensichtlich nicht mit den „Segnungen“ der Ärztefunktionäre überzogen werden, so dass es geradezu grotesk ist, wenn sich die Ärztekammern dazu aufschwingen, uns in letzter Konsequenz für das Gelingen der Palliativmedizin als Profession zu instrumentalisieren! Ärztefunktionäre schlagen so nicht nur die „Würde“, sondern in erster Linie das Selbstbestimmungsrecht zur kleinen, wertlosen Münze und sofern dies auch noch mit der „Arztethik“ begründet wird, so treibt eben diese Arztethik höchst seltsam hässliche Blüten!
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