Ärzte Zeitung, 16.03.2015

Braunschweig

Streit um Spenden entzweit Kinderhospize

Spendengelder sind ein rares Gut - und sorgen in manchen Fällen deshalb für Ärger. So wie in Braunschweig, wo sich nun zwei Kinderhospizdienste uneins sind. Auch hier geht es um Geld.

Von Christian Beneker

BRAUNSCHWEIG. Das Kinderhospiz Löwenherz aus Syke bei Bremen und der ambulante Hospizverein Braunschweig liegen im Streit. Es geht um die Frage, wer todkranke Kinder in der Region Braunschweig ambulant versorgen soll.

Hintergrund des Streits ist der eben erst eröffnete ambulante Kinderhospizdienst Löwenherz. Er arbeitet seit dem 25. Februar 2015 und tritt neben die schon bestehende Hospizarbeit Braunschweig e.V.

Dort fürchtet man nun, dass das renommierte Haus Löwenherz mit seinem großen Namen möglicherweise Spenden und Patienten an sich zieht, die man selber gerne hätte.

In der Region mit dem großen Arbeitgeber VW wohnen viele gut verdienende Familien, gibt Ulrich Kreutzberg, Koordinator und Geschäftsführer des Braunschweiger Vereins zu bedenken.

Will sagen: viele potenzielle Spender. Kreutzberg beziffert den Anteil der Spenden an dem Braunschweiger Dienst auf 20 bis 30 Prozent.

"Uns geht es aber vor allem darum, dass wir als lokaler Dienst ein umfassendes Angebot für alle in der Region vorhalten wollen", erklärt der Geschäftsführer.

Dienste beenden Zusammenarbeit

Dabei haben die beiden Institutionen in den vergangenen Jahren stets gut kooperiert. "Wir hatten schon länger ein Vernetzungsprojekt", erklärt Kreutzberg.

"Darin wurden unsere Mitarbeiter vom Erwachsenen-Hospizdienst im Löwenherz seit 2009 für die Betreuung von Kindern und ihren Familien fortgebildet."

Das ging bis 2013. Dann sei das Hospiz Löwenherz an die Braunschweiger herangetreten, um einen eigenen Dienst zu eröffnen.

Seither ist der Zwist da. Aus Ärger haben nun gleich fünf Hospizdienste der Region die Zusammenarbeit mit dem Syker Haus quittiert, die Dienste in Braunschweig, Gifhorn, Salzgitter, Wolfenbüttel und Wolfsburg, und sind einen eigenen Verbund eingegangen, die "Ambulante Kinder- und Jugendhospizarbeit in der Region Süd-Ost-Niedersachsen" (SONne).

"Wir machen gemeinsame Supervision, Quartalstreffen mit Fortbildungseinheiten und begleiten auch manche Patienten gemeinsam", so Kreutzberg.

Die Fortbildungen übernimmt in Zukunft das "Kinderhospiz Mitteldeutschland" im thüringischen Nordhausen. Derzeit versorgen alle fünf Vereine insgesamt acht Kinder, hieß es.

Vertreter des Kinderhospizes Löwenherz wollten auf Anfrage der "Ärzte Zeitung" keine Stellung nehmen zum neuen Stützpunkt in Braunschweig und verwiesen auf ihre Pressemitteilung, "um die Kinder und ihre Familien zu schützen".

In der Mitteilung heißt es, mit der Neugründung "reagiert der Verein aus Syke auf die ständig wachsende Nachfrage von Familien mit unheilbar erkrankten Kindern und Jugendlichen, die sich eine ambulante Begleitung wünschen."

Mit dem Angebot solle die Kooperation mit örtlichen Diensten befördert werden. Gemeint sind Kooperationen mit Diensten in Hildesheim, Goslar oder Celle, von wo die Mitarbeiter nun einen kürzeren Weg zu den Fortbildungen haben.

Zweites Kinderhospiz auf dem Markt

"Die Erfahrungen haben gezeigt, dass mehr Anfragen und kompliziertere Begleitungszusammenhänge intensivere Beratung und Unterstützung durch "Löwenherz" sinnvoll machen", wird in der Erklärung Fanny Lanfermann vom Kinderhospiz Löwenherz zitiert.

Unterdessen ist in Niedersachsen im August 2014 ein zweites Kinderhospiz auf den Markt getreten: das Wilhelmhavener Kinder- und Jugendhospiz "Joshuas Engelreich". Kreutzberg: "Vielleicht muss auch deshalb das Kinderhospiz Löwenherz offensiver werden."

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