Ärzte Zeitung, 03.11.2015

Kommentar zur Palliativmedizin

Was sind Gesetze wert?

Von Christoph Fuhr

Wenn schmerz- und palliativmedizinische Optionen effektiv umgesetzt werden, dann ist der assistierte Suizid überflüssig. Mit diesem Argument zieht die keineswegs kleine Gruppe der Streiter gegen jedwede Liberalisierung in der Debatte um den assistierten Suizid ins Feld.

Ihr Kernproblem wird jetzt in einer Studie der Bertelsmann-Stiftung schonungslos offengelegt. Denn überzeugen kann diese Argumentation nur, wenn tatsächlich ein palliativmedizinisches Angebot flächendeckend vorhanden ist. Die Studie zeigt: Vom Ziel der Flächendeckung ist Deutschland immer noch meilenweit entfernt.

Immerhin: Das Hospiz- und Palliativgesetz, das voraussichtlich am Donnerstag im Bundestag verabschiedet wird, will in ländlichen und strukturschwachen Regionen den weiteren Ausbau der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) forcieren.

Aber ob das gelingt? Zur Erinnerung: Für alle gesetzlich Krankenversicherten besteht nach dem SGB V ein Anspruch auf SAPV - ein Gesetz, das sage und schreibe schon mehr als acht Jahre alt ist und allemal die Qualität hätte, im Politikunterricht gymnasialer Oberstufen analysiert zu werden. Thema der Unterrichtseinheit: Was sind Gesetze, die in Deutschland verabschiedet werden, tatsächlich wert?

Lesen Sie dazu auch:
Studie zur Palliativversorgung: Das Sterben zu Hause bleibt ein Wunsch

[03.11.2015, 10:58:16]
Heidemarie Heubach 
Solche Ignoranz von Gesetzen gibt`s auch bei der Organspende-Aufklärung !
Laut Transplantationsgesetz muß eine "umfassende Aufklärung" des Spenders oder dessen Angehöriger erfolgen - defacto wird einseitig und irreführend geworben "hirntot=tot" und "nach ihrem Tode", statt den Menschen ehrlich zu sagen, daß sich ein solcher `Spender` im Sterbeprozess befindet und zur Leiche erst durch die Entnahme der Organe wird.
Wer sich die Mühe macht, findet sicher weitere politische Beispiele......... zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »