Ärzte Zeitung online, 03.11.2015

Sterbehilfe-Reformen

Montgomery schickt Brief an Parlamentarier

Im Vorfeld der Bundestagsentscheidung am Freitag über Reformen bei der Sterbehilfe und Sterbebegleitung hat die Bundesärztekammer einmal mehr ihre Forderung nach einem Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe bekräftigt.

BERLIN. In der aktuellen Diskussion über die künftigen Regelungen der Sterbehilfe in Deutschland hat sich die Bundesärztekammer (BÄK) zu Wort gemeldet.

Im Vorfeld der Bundestagsentscheidung am Freitag über Reformen bei der Sterbehilfe und Sterbebegleitung bekräftigte die BÄK ihre Forderung nach einem Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe.

BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery hat dazu einen Brief an alle Bundestagsabgeordneten geschickt und sich darin explizit dafür ausgesprochen, jede Form geschäftsmäßiger Sterbehilfe abzulehnen, wie die Bundesärztekammer mitteilte.

Der BÄK-Chef bezog den Angaben zufolge klar Stellung und stellte sich hinter den Gesetzentwurf der Abgeordneten Michael Brand (CDU) und Kerstin Griese (SPD).

Montgomery verteidigte die Pläne und betonte, dass die Bundesärztekammer keine Gefahr der Kriminalisierung der Ärzte durch den Gesetzentwurf erkennen könne. "Dieses Argument dient ausschließlich der Verunsicherung der Abgeordneten und auch einiger Ärzte", sagte der BÄK-Präsident. (ths)

[04.11.2015, 19:38:04]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Aktive Sterbehilfe - Nein Danke!
Die Bundesrepublik Deutschland ist ein säkularisierter Staat j e n s e i t s von Fundamentalismus und Gottesgemeinschaften. Unsere Republik muss a l l e gesellschaftlichen Strömungen und die Meinungsvielfalt aufgreifen. Für mich persönlich ist die Sache klar: Ich eigne mich definitiv n i c h t zum "Dr. Death"! Ich kann unmöglich palliativ- und sozialmedizinisch ebenso qualifiziert wie engagiert "Hilfestellungen am Lebensende" und "zum Lebensende" leisten und g l e i c h z e i t i g überlegen, wie ich meine Patienten am besten assistiert "um die Ecke bringe".

Meine medizinische Sozialisation ist auf Krankheiten abgestellt: Von der Wiege bis zur Bahre Prävention,Früherkennung, Anamnese, Untersuchung, erweiterte Differenzialdiagnostik, Diagnose, konservative/operative/interventionelle Therapie, Palliation. Möglichst Heilung, wenigstens Linderung und hoffentlich Tröstung. Und das füllt meine professionelle hausärztliche Tätigkeit mit prallem Leben, Arbeit, Anstrengung, Genuss, Ruhe und kultureller Reflexion voll und ganz aus. Zur weitergehenden, oft selbstherrlich behaupteten "Erlösung" meiner Patientinnen und Patienten mit aktiver Sterbehilfe und der Gratwanderung zur "Tötung auf Verlangen" (§ 216 StGB) bin ich weder bereit noch befugt oder ausgebildet.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »
[03.11.2015, 21:25:48]
Thomas Sitte 
Panikmache und Vernebelungstaktik durch Hintze & Co.
In Deutschland ist Beihilfe zur Selbsttötung derzeit sogar dann erlaubt, wenn sie aus Gewinnabsicht erfolgt. Nur der Entwurf Brand/Griese will dies konsequent unterbinden.

Der Entwurf Hintze/Lauterbach verzichtet sogar ausdrücklich auf jede Sanktion bei Verstößen gegen die in diesem Entwurf beschriebenen Regeln zur ärztlichen Suizidbeihilfe.

DAS IST DER VORSCHLAG DEN MONTGOMERY PRÄFERIERT:
§ 217 Geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung
(1) Wer in der Absicht, die Selbsttötung eines anderen zu fördern, diesem hierzu geschäftsmäßig die Gelegenheit gewährt, verschafft oder vermittelt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Eine weiter gehende Strafbarkeit ist also weder definiert noch intendiert. Es ist eindeutig klargestellt:
1) 'Absicht' bedeutet, dass die genannte Handlung beabsichtigt, den Suizid des anders zu fördern.
2) 'geschäftsmäßig' bedeutet, dass die genannte Handlung auf Wiederholung angelegt ist.
3) Anders als das geschäftsmäßige Verschaffen oder Vermitteln, wäre unter Brand/ Griese die reine Beratung NICHT strafbewehrt.

Um eine Strafbarkeit auszulösen müssen die beiden ersten Teilmotive zusammen vorliegen.
Damit fällt kein dem Autor dieser Zeilen bekannter Palliativmediziner, keine Palliative Care Fachkraft unter diese Strafbarkeit, ebenso wenig wie Hausärzte, Onkologen, Altenpfleger usw. die intensiv mit Schwerkranken befasst sind. Hingegen könnten, würden sie denn weiterhin ihrem Geschäftsmodell nachgehen, gegen die ärztlichen Kollegen Spittler und Arnold bzw. die Nicht-Ärzte Puppe und Kusch Strafverfahren eingeleitet werden.

Andere Aussagen im Sinne der Strafbarkeit korrekt handelnder Kollegen hält die Deutsche PalliativStiftung für unbotmäßige Panikmache und eine Vernebelung der realen Verhältnisse. zum Beitrag »
[03.11.2015, 13:04:08]
Dr. Hans-Jürgen Kühle 
Prof. Montgomery hat in dieser Frage kein Mandat, die Ärzteschaft zu vertreten
Es ist immer schräg, wenn jemand sein Amt voranstellt, um einer Meinung mehr Gewicht zu verleihen. Das gilt auch hier!
Mehr als 1/3 der Ärzte sind bereit, für Ihre Patienten auch in solch einer Notsituation bereit zu stehen. Die dürfen nicht untergebuttert und ggf. kriminalisiert werden, so wie es in einzelnen Ärztekammern passiert ist.
Diagnosefindung und Behandlung sind keine demokratischen Mehrheitsentscheidungen, sondern folgen der Pathophysiologie und den moralischen Grundsätzen des Arztes. Wenn heilen nicht mehr möglich ist, lindern nicht mehr möglich ist: was dann?
Schrecklich der Fall, der gestern in "hart, aber fair" vorgestellt wurde: weil der Patient in einer solchen Situation keine Hilfe fand, stürzte er sich vom Dach eines Hochhauses...
Liebe Parlamentarier, lassen Sie in den Notsituationen Patienten und Ärzten die Handlungsfreiheit, und schaffen Sie statt neuer Zwänge Strukturen, die angemessenes Handeln ermöglichen, ohne dass kommerzielle Zwecke damit verfolgt werden. zum Beitrag »
[03.11.2015, 12:31:30]
Dr. Karlheinz Bayer 
Liebe Parlamentarier, Achtung! Herr Montgomery spricht als Privatmann!
Liebe Parlamentarier,

man weiß nicht, welches verstaubte Weltbild in Herrn Montgomeries Kopf spukt, aber man sollte davon ausgehen, daß ein Präsident der Bundesärztekammer sich, egal, was in seinem Kopf herumspukt, in erster Linie als Präsident darstellt.
Das tut er nicht.

Ein durch Herrn Mointgomery in keiner Weise vertretener Arzt an der Basis, kann man nur hoffen, daß Sie als Parlamentarier sich nicht täuschen lassen und glauben könnten, Herr Montgomery vertrete mit seiner Meinung die Ärzte.

Nicht die Mehrheit und nicht einmal eine repräsentativen Teil der Ärzte vertritt, wer sich auf einen extremen Antrag festlegt. Tatsächlich dürften die Ärzte ähnlich unterschiedliche Haltungen einnehmen wie Sie.

Ich hoffe, Sie bleiben bei Ihrer Linie und entscheiden nach Ihrem Gewissen. Wenn das nämlich so ist, wird viel Schaden abgewendet von uns Ärzten, die wir ja unabhängig von Ihrer Entscheidung nach wie vor das Problem der Bitte um Sterbehilfe nicht beseitigen können.

Danke dafür,
Ihr
Karlheinz Bayer
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