Ärzte Zeitung, 03.04.2012

Bedarf an Bremer Hospizbetten wird ermittelt

Nimmt man Faustformeln zu Hilfe, ist Bremen ausreichend mit Hospizbetten versorgt. Dennoch sterben immer wieder Menschen auf der Warteliste für einen Hospizplatz. Jetzt soll der tatsächliche Bedarf ermittelt werden.

Von Christian Beneker

Genug Hospizbetten in Bremen? Ein Bedarfsplan soll dies klären

Politiker fragen nach: Ist die Versorgung mit Hospizbetten in Bremen ausreichend?

© Gustavo Alabiso/imago

BREMEN. Bremens Bürgerschaft fordert mehr Hospizplätze im Land. Dabei gibt es bereits genug Plätze - bald sogar mehr als genug.

Eine parteiübergreifende Gruppe von Abgeordneten aus Grünen, SPD und CDU hat in einer Dringlichkeitsanfrage gefordert, die bedarfsgerechte Versorgung mit Palliativ- und Hospizplätzen im Land zu sichern.

Nach Angaben des Bremer Hospiz- und Palliativverbandes starben von den 222 Todkranken, die die Voraussetzungen für einen Hospizplatz erfüllten, 99 Menschen während sie auf der Warteliste für ein stationäres Hospiz standen.

Bremen mit Hospizbetten sehr gut ausgestattet

Die acht Betten des Hospizes "Brücke" in Bremen-Walle decken "nicht den zurzeit bestehenden Bedarf im Lande Bremen", heißt es in dem Antrag.

Auch die Palliativstationen könnten diesen Mangel nicht ausgleichen. Auf drei Palliativstationen stehen in Bremer Krankenhäusern insgesamt 23 Palliativbetten zur Verfügung.

Deshalb möge die Bürgerschaft, also das Bremer Parlament, beschließen, vom Senat ein Weiterentwicklungskonzept für die Palliativ- und Hospizversorgung zu fordern, so die Abgeordnetengruppe.

Dabei sollen auch die Zugangsmöglichkeiten für Migranten berücksichtigt werden, die Kooperation der Berufsgruppen, die Ausbildung der Pflegenden und besonders die Zusammenarbeit mit den Allgemeinmedizinern der Stadt.

Allerdings ist Bremen mit Hospizbetten sehr gut ausgestattet. Nach der inoffiziellen Faustformel - ein Hospizbett pro 100.000 Einwohner - dürfte Bremen nur fünf Betten haben, tatsächlich sind es acht.

Und Ende kommenden Jahres soll ein zweites Hospiz der Johanniter mit rund acht Plätzen dazu kommen. Der Ausbau dieses Hauses ist an eine Großspende gebunden.

Kassen signalisieren Bereitschaft

Johannes Foppe, Geschäftsführer des Hospizes Brücke sagte der "Ärzte Zeitung": "Tatsächlich brauchen wir die Warteliste, damit wir zwischenzeitlich kein Bett leer stehen haben. Vier weitere Betten würden zwar die Warteliste abbauen, aber das Kostenproblem bliebe bestehen."

Für die Sterbenden, die keinen Platz im Hospiz erhalten, sei durch die Palliativbetten und die SAPV-Angebote in Bremen gesorgt. "Gedient wäre uns natürlich, wenn ein Bedarfsplan aufgestellt würde und der eventuell zusätzliche Bedarf dann auch bezahlt würde."

Nun werden die Kassen mit an dem Tisch sitzen, an dem der Plan aufgestellt wird. Man werde sich gegen zusätzliche Betten nicht sträuben, "wenn alles sich in einem vernünftigen Rahmen hält", fasst ein Kasseninsider die Position zusammen.

Barmer GEK-Landeschefin Heike Sander sagt: "Sollte sich bei der Überprüfung herausstellen, dass es im Land Bremen einen begründeten Mehrbedarf an stationären Hospizplätzen gibt, werden wir uns als größte bundesweite Krankenkasse an einer Lösung konstruktiv beteiligen."

[10.04.2012, 17:11:52]
Dr. Hans-Joachim Willenbrink 
Zahlenjongleure
Ich bin begeistert, davon zu erfahren, dass es in unserem Bundesland bzw. in der Stadt Bremen mehr Palliativstationen gibt als ich bisher glaubte. Bei der Berechnung der Hospizbetten bezieht man sich auf die Stadt Bremen. Bei der Berechnung auf das Bundesland ? Oder doch nicht ?
Oder vielleicht doch, so wie es gerade in die Argumentation passt.

Grausam, wie hier recherchiert wird.
Fakt ist, dass es in der Stadt Bremen eine eigenständige Station mit 8 Betten seit 10 Jahren gibt, die nicht einer onkologischen oder strahlentherapeutischen Station zugeordnet ist. Des Weiteren werden seit mehreren Jahren 4 Palliativbetten an einem anderen Krankenhaus vorgehalten, die auf dem Papier stehen.
In der Stadt Bremerhaven, ca. 65 km von Bremen entfernt, gibt es eine weitere, der Onkologie angegliederte Station mit 8 reinen Palliativ-Betten.
Jetzt noch einmal zum Mitschreiben: In der Stadt Bremen werden 8 Betten auf 1 Station vorgehalten, die nahezu zu 100 % belegt sind, bei einer Warteliste von z.Zt 15 Patienten. Das ist die Realität.


Mit freundlichen Grüßen
Dr. med. Hans-Joachim Willenbrink
Chefarzt der Klinik für Palliativmedizin und Schmerztherapie
am Klinikum Links der Weser zum Beitrag »
[03.04.2012, 22:39:46]
Thomas Sitte 
Bottom Up
Die Bremer Initiative ist einem Betroffenen zu verdanken, der die Konsequenzen aus den schlimmen Erfahrungen in der Versorgung seiner sterbenden Eltern ergriffen hatte. Mark Castens hat fachlich mit dem Thema nichts zu tun und ist auf dem Gebiet und auch politisch unerfahren. Trotzdem hat er danach nicht weggeschaut, sondern eine Petition an den Bundestag gerichtet, hat die halbe Republik rebellisch gemacht und ist dann in seinen berechtigten Interessen auch sehr gut wahr genommen worden! zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Ärzte können künftig Medizinalhanf verordnen

Nach jahrelanger Debatte regelt das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu. Krankenkassen müssen künftig die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »