Mittwoch, 22. Oktober 2014
Ärzte Zeitung, 22.01.2013

Nordrhein

SAPV wird flexibler

Die KV in Nordrhein reagiert auf Engpässe bei der SAPV: Künftig sollen Ärzte und Pfleger schon dann in Palliativteams mitarbeiten dürfen, wenn sie noch nicht alle Qualifikationen in der Tasche haben.

kv-nordrhein-L.jpg

KÖLN. In Nordrhein suchen Palliativärzte und die KV Nordrhein (KVNo) nach einer Lösung, um personelle Engpässe in den Teams für die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) zu beheben.

Sie setzen dabei vor allem auf die neue Möglichkeit, in den Teams Ärzte und Pflegefachkräfte zu beschäftigen, die noch nicht alle qualitativen Voraussetzungen erfüllen.

Ermöglicht wird das durch die veränderten Empfehlungen zur SAPV, die der GKV-Spitzenverband Anfang November in Kraft gesetzt hat.

Sie sehen unter anderem vor, dass einzelne Ärzte und Pflegekräfte die für die SAPV vorgesehene berufspraktische Erfahrung auch noch innerhalb des SAPV-Teams erwerben können, und zwar innerhalb von zwölf Monaten nach Abschluss des Arbeitsvertrages.

"Wir brauchen innovative Konzepte, um das hohe Qualitätsniveau in Nordrhein aufrechterhalten zu können", sagt der Kölner Palliativmediziner Dr. Thomas Joist, Geschäftsführer des SAPV- Teams für das rechtsrheinische Köln und des Palliativteams SAPV Rhein Erft.

Es gehe nicht darum, Mitarbeiter anzustellen, die in diesem Bereich unerfahren sind. Aber Ärzte und Pflegekräfte mit einer qualifizierten Weiterbildung könnten in den Teams unter Aufsicht tätig werden und Erfahrung sammeln.

Ohne ein solches Vorgehen lasse sich auf Dauer die Versorgung der Patienten mit SAPV nicht sicherstellen, fürchtet Joist. "Im Kölner Team haben wir die Grenze der Belastbarkeit erreicht."

Sechs Ärzte und sechs Pflegefachkräfte sind dort für die Versorgung von rund 440.000 Einwohnern zuständig. "Zum Teil haben wir drei Mal 24 Stunden Dienst, das geht auf die Dauer nicht", sagt er.

Die KVNo führe zurzeit Gespräche mit den Krankenkassen, sagt Achim Merling von der KVNo-Vertragsabteilung. Dabei gehe es darum, den Teams personell Luft zu verschaffen, ohne die hohe Versorgungsqualität zu gefährden.

"Es kann nicht sein, dass formale Gründe den Anspruch der Patienten auf die Palliativversorgung behindern", betont Merling. Es seien im Moment zu wenig Ärzte und Pflegefachkräfte am Markt, die alle Kriterien erfüllen.

"Der Bedarf ist aber da, und wir müssen durch den Flaschenhals kommen." In Nordrhein sind zurzeit 18 SAPV-Teams aktiv. (iss)

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Verpackt wie Astronauten: Das richtige Ankleide-ABC zum Schutz vor Ebola

Doppelte bis dreifache Schutzmontur, bruchsichere Spezialgefäße, sorgfältige Desinfektion: Die Göttinger Uniklinik hat sich für die Behandlung von Ebola-Patienten gewappnet und zum Schutz von Mitarbeitern strenge Vorkehrungen getroffen. mehr »

Mehnert-Kolumne: Erhöhte Infektionsgefahr bei Diabetikern

Infektionen verlaufen bei Zuckerkranken häufig schwerer als bei Nicht-Diabetikern - oftmals gar mit tödlichen Folgen. Die Ursachen sind vielfältig. mehr »

Regress: Hausarzt bläst zum Gegenangriff

Erneut geht ein Hausarzt mit seinem Fall an die Öffentlichkeit: Stefanus Paas sieht sich Regressen von 34.000 Euro gegenüber. Bleiben die Forderungen bestehen, will der Hausarzt seine Praxis schließen. mehr »