Dienstag, 30. September 2014
Ärzte Zeitung, 22.01.2013

Nordrhein

SAPV wird flexibler

Die KV in Nordrhein reagiert auf Engpässe bei der SAPV: Künftig sollen Ärzte und Pfleger schon dann in Palliativteams mitarbeiten dürfen, wenn sie noch nicht alle Qualifikationen in der Tasche haben.

kv-nordrhein-L.jpg

KÖLN. In Nordrhein suchen Palliativärzte und die KV Nordrhein (KVNo) nach einer Lösung, um personelle Engpässe in den Teams für die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) zu beheben.

Sie setzen dabei vor allem auf die neue Möglichkeit, in den Teams Ärzte und Pflegefachkräfte zu beschäftigen, die noch nicht alle qualitativen Voraussetzungen erfüllen.

Ermöglicht wird das durch die veränderten Empfehlungen zur SAPV, die der GKV-Spitzenverband Anfang November in Kraft gesetzt hat.

Sie sehen unter anderem vor, dass einzelne Ärzte und Pflegekräfte die für die SAPV vorgesehene berufspraktische Erfahrung auch noch innerhalb des SAPV-Teams erwerben können, und zwar innerhalb von zwölf Monaten nach Abschluss des Arbeitsvertrages.

"Wir brauchen innovative Konzepte, um das hohe Qualitätsniveau in Nordrhein aufrechterhalten zu können", sagt der Kölner Palliativmediziner Dr. Thomas Joist, Geschäftsführer des SAPV- Teams für das rechtsrheinische Köln und des Palliativteams SAPV Rhein Erft.

Es gehe nicht darum, Mitarbeiter anzustellen, die in diesem Bereich unerfahren sind. Aber Ärzte und Pflegekräfte mit einer qualifizierten Weiterbildung könnten in den Teams unter Aufsicht tätig werden und Erfahrung sammeln.

Ohne ein solches Vorgehen lasse sich auf Dauer die Versorgung der Patienten mit SAPV nicht sicherstellen, fürchtet Joist. "Im Kölner Team haben wir die Grenze der Belastbarkeit erreicht."

Sechs Ärzte und sechs Pflegefachkräfte sind dort für die Versorgung von rund 440.000 Einwohnern zuständig. "Zum Teil haben wir drei Mal 24 Stunden Dienst, das geht auf die Dauer nicht", sagt er.

Die KVNo führe zurzeit Gespräche mit den Krankenkassen, sagt Achim Merling von der KVNo-Vertragsabteilung. Dabei gehe es darum, den Teams personell Luft zu verschaffen, ohne die hohe Versorgungsqualität zu gefährden.

"Es kann nicht sein, dass formale Gründe den Anspruch der Patienten auf die Palliativversorgung behindern", betont Merling. Es seien im Moment zu wenig Ärzte und Pflegefachkräfte am Markt, die alle Kriterien erfüllen.

"Der Bedarf ist aber da, und wir müssen durch den Flaschenhals kommen." In Nordrhein sind zurzeit 18 SAPV-Teams aktiv. (iss)

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Arzthonorar: In den KVen geht es um bis zu 120 Millionen Euro

Im Herbst verlagern sich die Honorarverhandlungen der Kassenärzte auf die Ebene der KVen. Wie viel Geld es gibt, hängt auch von den verschlüsselten Diagnosen ab. mehr »

Kampf gegen Unterversorgung: Gröhe kündigt Zuschläge für Hausärzte an

Der Sachverständigenrat hat seine Vorschläge konkretisiert, wie die Unterversorgung in ländlichen Regionen bekämpft werden kann. Minister Gröhe zeigt sich von vielen Ideen begeistert - und kündigt Vergütungszuschläge für Hausärzte an. mehr »

Bahr: Ex-Gesundheitsminister heuert bei PKV an

16:24 Der ehemalige Gesundheits­minister Daniel Bahr arbeitet künftig für einen privaten Krankenversicherer - und wechselt also in die Branche, für die er einst zuständig war. Dieser Schritt ruft unterschiedliche Reaktionen bei Ärzten, Gesundheitspolitikern und Ärztevertretern hervor. mehr »