Ärzte Zeitung, 22.11.2012

Organisationsmängel

Deutschland bei Diabetes im Mittelfeld

BERLIN. Nach erstenResultaten desvon Deutschland aus koordinierten Global Diabetes Survey (GDS) ist in Deutschland die Diabetiker-Versorgung insgesamtnur mittelmäßig, berichtete Professor Peter Schwarz von der Uni Dresden bei der Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft.

Es gibt allerdings erhebliche regionale Unterschiede. Der GDS ist eine webbasierte Befragung der Dresdner Diabetesexperten in Kooperation mit der EU und der Internationalen Diabetes-Gesellschaft.

"Eine der Besonderheiten ist, dass nicht nur Ärzte, sondern auch andere Personengruppen inklusive Patienten und Angehörige befragt werden", so Schwarz.

Die Befragung soll künftig jährlich erfolgen und möglichst viele Länder umfassen. In der ersten Runde haben sich 2100 Personen aus 132 Ländern beteiligt, 345 davon aus Deutschland.

Gefragt wird unter anderem nach der Verfügbarkeit von Leistungen und nach der Organisation der Versorgung. Erste Daten dieser Auswertung liegen jetzt vor. Die Details sollen in Kürze publiziert werden.

Danach hat Deutschland 66 von 100 Punkten. Es liegt damit in Europa im Mittelfeld. Am besten schnitt Finnland ab: 87 von 100 Punkten. Das schlechteste europäische Land liegt bei 38 Punkten. Indien erreicht 57 und die USA 67 Punkte.

Grund für das eher mittelmäßige Abschneiden Deutschlands sei weniger die Verfügbarkeit von medizinischen Leistungen als vielmehr deren Organisation, so Schwarz. Hierbei gebe es erhebliche regionale Unterschiede.

Beispiel: In Sachsen würden im Rahmen der Diabetes DMP regelmäßig 270.000 Menschen für eine Untersuchung des Augenhintergrunds angeschrieben, die augenärztlichen Kapazitäten reichten aber nur für 75.000 derartige Untersuchungen. (gvg)

www.globaldiabetessurvey.com

[22.11.2012, 11:49:18]
Dr. Walther J. Kirschner 
Diabetes - Versorgungsdefizite: Effektive Ursachen-assoziierte Programme fehlen nach wie vor
Im Rahmen einer Tagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft wird auf eine nur mittelmäßige Versorgung von Diabetes-Patienten in Deutschland hingewiesen. Als Referenz wird dabei auf eine webbasierte Befragung verwiesen, wonach für Deutschland ein Score (welche Items?) von 66/100 vorliegt. Vermutet werden nicht ungenügende medizinische Leistungen, sondern deren Organisation.

Allerdings können solche bekannten tradierten Betrachtungsweisen nicht darüber hinweg täuschen, daß bisherige Behandlungs- und Versorgungsstrategien immer wieder zu ineffektiven Ergebnissen geführt haben, sieht man von individuellen Erfolgen ab und betrachtet die tatsächlichen Resultate überregional und national. Das muß zu denken geben, um so mehr, als dieser Status seit Jahren schon beobachtbar ist.

Da ergeben sich grundlegende Fragen:
Warum sind wissenschaftlich und gesundheitspolitisch nicht konsekutiv neue Strategien entwickelt worden?
Warum sind bisherige Konzepte - die offensichtlich nach wie vor nicht ausreichend effektiv sind - nicht grundsätzlich hinterfragt und verändert worden?
Warum werden nach wie vor nicht alle relevanten ursächlichen Parameter systematisch erfaßt und in komplexe Strategien implementiert, um sowohl individuelle, als auch nationale strategische Vorgehensweisen für Behandlungs- und Versorgungsprogramme (kurz-, mittel-,langfristig, Differenzierung) zu harmonisieren?
Warum werden nach wie vor nahezu ausschließlich Variationen der Medikationen beachtet (mono-symptomatischer Aspekt)?

Es gibt genügend Experten, es fehlen jedoch Paradigmenwechsel und neue perspektivische Ansätze zur Entwicklung effektiverer Therapie- und Verosrgungsstrategien. Neben medizinischen Verbesserungen wären auch ökonomische Optimierungen zu erwarten.

Dr. med. Walther Kirschner  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »