Ärzte Zeitung, 16.04.2013

Herzinfarkt

Sachsen-Anhalt will nicht mehr Schlusslicht sein

Wer in Sachsen-Anhalt heute einen Herzinfarkt erleidet, hat oft schlechtere Karten als in den anderen Ländern. Jetzt will das Land die rote Laterne bei der Sterblichkeit loswerden. Ein Schritt ist der Aufbau eines Herzinfarktregisters.

Von Petra Zieler

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Infarktpatient im Rettungswagen: Auch die telemedizinische Infrastruktur soll verbessert werden.

© imagebroker / INTERFOTO

MAGDEBURG. Die überdurchschnittlich hohe Todesrate nach Herzinfarkten hat Sachsen-Anhalts Landesregierung auf den Plan gerufen. Nun sollen Ursachen erforscht und Diagnosewege verbessert werden.

Auf 100.000 Einwohner kommen in Sachsen-Anhalt 111 Todesfälle - doppelt so viele wie beispielsweise in Hamburg. Insgesamt liegt die Sterblichkeit bei Herzinfarkten 43 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

"Dagegen müssen wir im Interesse aller Sachsen-Anhalter endlich etwas unternehmen. Alle müssen an einem Strang ziehen", sagte Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff. Er will gemeinsam mit Vertretern der Medizinischen Fakultäten Magdeburg und Halle, der Krankenkassen und der Ärzte eine Trendwende in Sachsen-Anhalt erreichen.

Beschlossen wurde der Aufbau eines Herzinfarktregisters unter Leitung der beiden Universitäten. Bereits ab Mai sollen in der Stadt Halle sowie in den Altmarkkreisen Salzwedel und Stendal alle Herzinfarkte einschließlich der notwendigen relevanten Daten erfasst werden.

Das Land fördert den Aufbau des Registers mit einer Anschubfinanzierung von 150.000 Euro. "Die Sensibilisierung der Politik", ist nach Ansicht von Dr. Burkhard John, Vorsitzender der KV Sachsen-Anhalt (KVSA), "ein wichtiger Schritt, um das seit Jahren drängende Thema besser in den Griff zu bekommen."

Mögliche Ursachen für die hohe Sterblichkeit sieht John in den Risikofaktoren Adipositas, Tabak, Alkohol, aber auch in der nach wie vor hohen Arbeitslosigkeit, geringer Bildung und geringem Einkommen.

Vorkämpfer Böhmer

Doch es gebe auch strukturelle Mängel -  zu wenige Kardiologen im Land, der Zugang zu Katheterplätzen sei in einigen Regionen erschwert. Verbessert werden müsse die Notfallversorgung.

Mit jeweils 80.000 Euro will die Landesregierung die Projekte "Herz/Net-optimierte Behandlung" und "Herz/Net-LSA Postinfarktpatienten" unter Leitung der Magdeburger Uniklinik für Kardiologie fördern, die noch in diesem Jahr umgesetzt werden sollen.

Telemedizinische Infrastruktur sowie optimierte Patientenversorgung in der Notfallversorgung sollen helfen, die Herzinfarktsterblichkeit zu verringern.

Ein gutes Beispiel gibt es bereits im Landkreis Wittenberg mit dem bislang einzigen Infarkt-Netzwerk des Landes. Stark gemacht hatten sich dafür auch der frühere Ministerpräsident Professor Wolfgang Böhmer sowie Dr. Tom Giesler, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Herzzentrum Coswig.

"Notärzte im Netzwerk können bereits im Rettungswagen ein EKG aufzeichnen und direkt an die Ärzte im Herzzentrum senden", erläutert Giesler.

"Wird ein Infarkt diagnostiziert, kommt der Patient sofort ins Herzkatheterlabor. Das kann überlebenswichtig sein, denn mit jeder Minute, die das Gefäß verschlossen bleibt, wächst das Risiko zu sterben." Dank des Netzwerkes könnten Infarktpatienten im Schnitt etwa zwei Stunden eher medizinisch versorgt werden.

Nach Ansicht von Professor Hendrik Schmidt, Kardiologie-Chefarzt am Klinikum Magdeburg, gibt es in Sachsen-Anhalt auch zu wenige Chest Pain Units (CPU), Diagnose- und Therapieeinheiten zur Versorgung von Patienten mit unklaren, akuten Brustschmerzen. Von bundesweit über 200 CPU, hat Sachsen-Anhalt nur zwei, die beide im Süden sind.

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