Ärzte Zeitung, 04.06.2013

Medizinischer Fakultätentag

Unikliniken hadern mit Föderalismus

Die Unikliniken sorgen sich um ihre Finanzierung ab 2020 - denn dann sollen die Länder keine neuen Schulden mehr aufnehmen dürfen. Das wurde auf dem Medizinischen Fakultätentag deutlich.

Von Petra Zieler

Unikliniken hadern mit Föderalismus

Die Kassen sind jetzt schon fast leer. Wie soll erst ab 2020 werden?, fragen sich die Unikliniken.

© Arcyd / fotolia.de

HALLE. Seit 100 Jahren gibt es den Medizinischer Fakultätentag (MFT) - Anlass genug, zum diesjährigen Fakultätentag an den Gründungsort Halle an der Saale zurückzukehren.

Damals wie heute will der MFT die Fakultäten bei ihrem Bemühen um die Weiterentwicklung der medizinischen Forschung und Lehre einschließlich der Krankenversorgung unterstützen.

Finanzierungsprobleme sind dabei wiederkehrendes Thema. Aktuelles Beispiel: In Sachsen-Anhalt wird derzeit laut über die Schließung der Hallenser Uniklinik nachgedacht, andernorts werden Privatisierungen favorisiert.

Wie also kann die Finanzierung der Hochschulmedizin gesichert werden? Aufmerksam verfolgten die Vertreter der 36 Medizinischen Fakultäten Deutschlands, in denen 96.000 Studierende der Human- und Zahnmedizin sowie der Gesundheitswissenschaften ausgebildet werden, die Podiumsdiskussion.

Dazu hatte MFT-Präsident Professor Heyo Kroemer unter anderem zwei Landesministerinnen eingeladen: Doris Ahnen (SPD) aus Rheinland-Pfalz, Vorsitzende der Wissenschaftskonferenz, und Anita Tack (Linke) aus Brandenburg, derzeitige Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz.

Unterfinanzierung wirkt sich auf Ärzte in Weiterbildung aus

Nach Ansicht von Professor Rüdiger Strehl, Generalsekretär des Verbandes der Universitätsklinika Deutschlands (VUD), sind die maßgeblichen Aufgaben der Unikliniken mit ihren Alleinstellungsmerkmalen einer Universitätsmedizin heute nicht mehr leistbar.

Zwar habe ein Ranking kürzlich wieder ergeben, dass die besten 30 von 100 deutschen Krankenhäusern Universitätskliniken sind, politisch aber bleibe das ohne Widerhall. Strehl: "Das zeigt, wie wir stehen, doch in der Finanzierung sieht das ganz anders aus."

Die Folgen für Forschung und Lehre seien problematisch und spitzten sich bei den Investitionen dramatisch zu. Die seien in Deutschland mehr oder weniger zusammengebrochen.

Eine bereits bestehende Unterfinanzierung der Universitätskliniken, die jährlich selbst über 1,4 Milliarden Euro an Drittmitteln einwerben, würde sich auch auf die rund 30.000 Ärzte in Weiterbildung auswirken.

"Wenn ein Bundeswille da ist, gibt es auch einen Weg"

Der scheidende Generalsekretär sieht mit Unbehagen dem Jahr 2020 entgegen. Dann sollen nach dem Willen von Bund und Ländern keine neuen Schulden mehr aufgenommen werden. "Damit fallen weitere 28,1 Prozent der Mittel aus den Haushalten weg. Und niemand sagt uns, wie es dann weitergehen soll."

Forderungen von Politik und Kassen nach mehr Wirtschaftlichkeit, Selektivverträgen, qualitätsorientierter Leistungsfinanzierung bezeichnete er als Ablenkungsmanöver. Es gebe keinerlei Konzept für die Jahre nach 2020.

Einig waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion darin, dass die föderalen Strukturen in Deutschland eine effiziente Grundlagenforschung sowie die adäquate Versorgung in Notsituationen oder bei besonders schweren und seltenen Erkrankungen behinderten.

Strehl: "Wenn ein Bundeswille da ist, gibt es auch einen Weg, um Geld in die Länder fließen zu lassen. Eine Lösung erreichen wir nur, wenn sich der Bundesgesundheitsminister bewegt."

"Wir müssen einen Weg finden, der es dem Bund erlaubt, sich in die Hochschulfinanzierung einzubringen", forderte auch SPD-Wissenschaftsministerin Doris Ahnen.

Arbeitsgruppe nötig

Bund und Ländern seien die Probleme bekannt, ebenso die Besonderheiten der universitären Medizin.

Ein erster Schritt sei eine Arbeitsgruppe innerhalb der Kultusministerkonferenz, die mit den Gesundheitsministern der Länder beraten wolle. Für eine Finanzierungsreform will sich Anita Tack starkmachen.

Dass dies ohne mehr Kompetenzen für den Bund kaum möglich ist, darüber war sich der Fakultätentag einig.

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