Ärzte Zeitung, 22.10.2013

Ebbe im Geldbeutel

Europa spart beim Arztbesuch

Immer mehr Menschen in Deutschland und Europa stellen ärztliche Behandlungen hintan. Der Grund: Sie haben nicht genügend Geld.

Von Ilse Schlingensiepen

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Bei Ebbe im Portemonnaie verzichten vor allem jüngere Menschen auf den Arztbesuch.

© Ljupco Smokovski / shutterstock

KÖLN. Etwa jeder vierte Deutsche hat nach eigenen Angaben vergangenes Jahr aus finanziellen Gründen auf die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen verzichtet. Das ist mehr als im europäischen Durchschnitt, aber weniger als ein Jahr zuvor.

Das zeigt das gerade veröffentlichte Internationale Gesundheitsbarometer des Dienstleisters Europ Assistance, der zum italienischen Versicherer Generali gehört.

Das Barometer, für das Erwachsene aus verschiedenen europäischen Ländern und den USA zu verschiedenen Aspekten des Gesundheitswesens repräsentativ befragt werden, erscheint zum siebten Mal. In diesem Jahr sind jeweils 500 Teilnehmer aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich, Polen, Schweden und Spanien sowie 1000 US-Amerikaner einbezogen .

In Deutschland gaben 24 Prozent der Befragten an, dass sie selbst oder ein Familienmitglied wegen finanzieller Schwierigkeiten im Jahr 2012 auf eine medizinische Leistung verzichtet oder sie verschoben hatte. Im europäischen Durchschnitt waren es 18 Prozent, in den USA 23 Prozent.

Europäer vergeben nur mittlere Noten

Im Jahr 2011 hatte der Anteil bei den Deutschen noch bei 30 Prozent gelegen - nach 15 Prozent 2010. Den höchsten Wert verzeichnet das Barometer in der aktuellen Befragung bei Polen mit 39 Prozent, gefolgt von den Franzosen mit 33 Prozent. Am seltensten mussten die Briten mit 4 Prozent auf medizinische Leistungen verzichten.

Die Deutschen stellten mit 14 Prozent am ehesten Zahnbehandlungen zur Disposition, gefolgt von Arzneimitteln mit 13 Prozent und Brillen oder Kontaktlinsen mit zehn Prozent.

Routineuntersuchungen beim Haus- oder Facharzt fielen bei fünf Prozent der Befragten dem Sparzwang zum Opfer. Männer verzichten danach eher auf Leistungen als Frauen, Jüngere eher als Ältere und Berufstätige eher als Rentner.

Auf einer Skala von 1 (schlecht) bis 10 (exzellent) gaben die Deutschen ihrem Gesundheitswesen wie im Vorjahr die Note 5,5, was fast dem europäischen Durchschnitt von 5,6 entspricht. Am besten schnitt das Gesundheitswesen bei Österreichern ab (6,5) am schlechtesten bei Polen (4,7).

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