Ärzte Zeitung, 30.06.2014

Kontroverse Diskussion

Rollende Arztpraxis - ist das Lambarene-Medizin?

Ältere Menschen in dünn besiedelten Regionen müssen gut versorgt werden. Aber wie? Darüber wurde in Berlin gestritten

Von Christoph Fuhr

BERLIN. Sind rollende Arztpraxen tatsächlich "vollkommen gaga?" Bieten sie womöglich kaum mehr als "Lambarene-Medizin?" Wenn‘s um die Frage geht, wie die zunehmend problematische medizinische Versorgung in dünn besiedelten Gegenden Deutschlands in Zukunft organisiert werde soll, gehen die Experten-Meinungen immer noch weit auseinander. Das wurde bei einer Veranstaltung des Hauptstadtkongresses deutlich.

Junge Menschen ziehen in die Stadt, die Alten bleiben. Den Hausarzt, der seine Praxis im Dorf oder zumindest im Nachbardorf hat, gab's vielleicht früher, heute ist das oft anders.

Dr. Max Kaplan, Vizepräsident der Bundesärztekammer, erläuterte Handlungsoptionen für die Zukunft. Variante eins: Der Patient kommt (wie bisher) zum Arzt. Das funktioniert auf dem Land , wenn der öffentliche Personennahverkehr gut ausgebaut ist. Ergänzend sind Hol- und Bringdienste denkbar, rollierende Fahrdienste (zum Beispiel Bürgertaxen) oder auch Patientenbusse. Variante 2: der Arzt kommt zum Patienten. Die Option hier: rollende Arztpraxen.

Kaplan kann nicht erkennen, dass es Rezepte gibt, die sich endgültig durchgesetzt hätten. "Wir brauchen mehr Modellprojekte", sagte er.

KV-Chefs sind uneins

Stefan Hofmann von der KV Niedersachsen ist überzeugt, dass sein Modell absolut Zukunft hat. Er erläuterte das System der rollenden Praxis in der Region Wolfenbüttel, die auch in den Medien auf immenses Interesse stößt. Seine Erfahrung: "Wir können uns vor Anfragen kaum retten"

Die Menschen in den Dörfern bei Wolfenbüttel seien voll des Lobes. Das Mobil hat ein EKG ebenso an Bord wie einen Formulardrucker und ein winziges Pulsoxymeter. "Wir können nicht mit den Krankenhäusern konkurrieren und mit der rollenden Praxis tatsächlich einen Arzt ernähren", sagt Hofmann, aber erfolgreich sei das Modell dennoch.

Hans-Joachim Helming, KV-Chef in Brandenburg hält nichts, aber auch gar nichts von diesem Konzept. Eine hochwertige Diagnostik und Therapie sei in einem Kleinbus kaum möglich. "Was wir brauchen, sind innovative Versorgungsmodelle für infrastrukturell benachteiligte Regionen. Und genau solche Modelle haben wir mit unseren KV RegioMed-Angeboten an vielen Orten in Brandenburg erfolgreich etabliert", sagt er.

Im Havelland steht hierfür das Konzept des RegioMed Patientenbusses, der die Menschen dorthin bringen soll, wo qualifizierte medizinische Versorgung unter optimalen Bedingungen möglich ist. Aller Anfang ist schwer. Im Landkreis Märkisch-Oderland ist das Projekt erst einmal gescheitert.

In Berlin wurde klar:: Die Diskussion um gute Konzepte für die Versorgung der Landbevölkerung ist noch lange nicht abgeschlossen.

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