Ärzte Zeitung, 07.10.2015

Sachsen-Anhalt

Studie soll Sterblichkeit nach Infarkten aufklären

Die Sterberate nach einem Herzinfarkt geht in Sachsen-Anhalt zurück - doch am Ziel ist man noch lange nicht. Ein Infarktregister liefert erste Daten. Und soll zukünftig helfen, die Rate weiter zu senken.

Von Petra Zieler

HALLE. In Sachsen-Anhalt gehen die Sterberaten nach Herzinfarkten zurück, bleiben jedoch über dem Bundesdurchschnitt. Das geht aus einer Zwischenbilanz des vor zwei Jahren etablierten Regionalen Herzinfarktregisters Sachsen-Anhalt (RHESA) hervor.

Starben in Sachsen-Anhalt vor 15 Jahren noch 108 von 100.000 Einwohnern nach einem Herzinfarkt, sank die Zahl 2012 auf 66 - was aber immer noch 38 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt ist. "Wir haben lange gerätselt, woran das liegt. RHESA soll uns weiterbringen", so Landesgesundheitsminister Norbert Bischoff.

Der sieht nach einer ersten Auswertung der Studie, die von den Universitäten Halle und Magdeburg erarbeitet und von Land, Krankenkassen, Deutscher Herzstiftung und Bundesgesundheitsministerium finanziert wird, auch die Politik gefordert.

Zu den Fakten: Seit zwei Jahren werden in zwei Regionen Sachsen-Anhalts, der dünnbesiedelten Altmark und im dicht bevölkerten Halle, sämtliche Herzinfarkte erfasst.

"Bis September dieses Jahres haben uns die 16 beteiligten Krankenhäuser insgesamt 1642 Infarkte gemeldet", so Professor Wilfried Mau, Direktor des Instituts für Rehabilitationsmedizin an der Uni Halle und Leiter der Studie. Das Durchschnittsalter der Patienten liegt bei 70 Jahren.

Daten deuten in Richtung Prävention

Entscheidender aber: 83 Prozent der Betroffenen haben Bluthochdruck, 44 Prozent einen zu hohen Cholesterinspiegel, 41 Prozent der Männer und 20 Prozent der Frauen sind Raucher, 34 Prozent der Männer und 44 Prozent der Frauen darüber hinaus Diabetiker. Mau: "Genau das sind die Risikofaktoren für einen Herzinfarkt."

Zwar ließen die bisherigen Daten noch keine definitiven Schlüsse auf die erhöhte Sterblichkeit zu, weisen aber deutlich in Richtung Aufklärung und Prävention. Mau forderte, die Bevölkerung besser zu sensibilisieren und immer wieder über Symptome zu informieren.

"Bis zur Alarmierung des Rettungsdienstes vergeht durchschnittlich mehr als eine Stunde. Aber gerade beim Herzinfarkt zählt jede Minute. Je schneller ein Patient behandelt wird, desto größer sind die Chancen, schwer wiegende Schädigungen des Herzens zu vermeiden."

Die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungswagens lag dagegen mit unter zwölf Minuten in der gesetzlich vorgeschriebenen Zeit. Allerdings wurde in der Altmark jeder vierte Patient mit Verdacht auf Herzinfarkt nicht in ein Krankenhaus mit Herzkatheterlabor gebracht. "Durch die Weiterverlegungen ging noch einmal Zeit verloren", so Professor Bernt-Peter Robra von der Uni Magdeburg und stellvertretender Leiter der Studie.

Über zehn Prozent rauchen weiter

Erste Zahlen liegen auch aus der begleitenden Studie RHESA Care vor. Danach nutzen 61 Prozent der Hallenser und 76 Prozent der Altmärker nach Infarkten das Angebot von Anschlussheilbehandlungen in einer Reha-Klinik, ein Drittel der Hallenser ist aktiv in einer Herzsportgruppe, 14 Prozent der Hallenser und elf Prozent der Altmärker Patienten rauchen auch nach dem Infarkt weiter.

Für Norbert Bischoff (SPD) ein deutliches Signal für mehr Aufklärung, die schon in der Schule beginnen müsse. Der Minister setzte sich für die Fortführung der Studien ein. Die Krankenkassen haben weitere Finanzierungszusagen zunächst bis Ende 2016 gegeben.

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